1. Juni 2016
von Steffi
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SY-Yemanja ist seit 2 Jahren unterwegs im Atlantik!

Erster Juni 2014, Katwoude, Holland – wir werfen die Leinen los, vergießen ein paar (viele) Tränen und winken unseren Kindern: Unsere Weltumseglung hat begonnen!

Anfangs ist alles neu und aufregend, durchdrungen von dem berühmten Zauber, der allen Anfängen innewohnt.

Zwei Jahre später liegen viele Häfen, Freunde, Abschiede und Erfahrungen hinter uns: Zeit für Dankbarkeit, Zeit zu feiern, Zeit zurückzublicken!

Ich befrage uns da einfach mal selbst. Das Besondere dabei: Tomy kommt (auch) zu Wort!

Was war der bisherige Höhepunkt eurer Reise?
Tomy: Zwei Dinge: Das erste Mal, also die erste längere Fahrt, über die Biskaya. Dann die Atlantiküberquerung und Ankommen in Salvador, auch wenn es seglerisch keine große Herausforderung war.
Steffi: Die Biskaya, das war bisher auch das tollste Segeln. Und Bolivien. Da sind wir natürlich mit dem Flugzeug hin. Wir wären aber ohne die vielen Reiseblogs, mit denen ich durch diesen Blog verbunden bin bzw. ohne die Notwendigkeit alle 90 Tage aus Brasilien auszureisen vermutlich nicht auf die Idee gekommen, dorthin zu reisen.

Welche Orte eurer bisherigen Route sollten Weltbesegler unbedingt anlaufen?
Tomy: Rias in Spanien, Madeira, La Palma, Salvador
Steffi: A Coruna, Combarro, Aveiro, Porto, Madeira, La Palma, Mindelo/Santo Antao, Salvador

Aveiro

Gondeln in Aveiro

Was war die herausforderndste Situation?
Tomy: Bei 40 Knoten Wind Segel reffen vor La Restinga
Steffi: Es gab ein paar herausfordernde Situationen: Seekrankheit, die uns im Atlantik zwar leicht, aber doch befällt; als das Segel riss und wir bei Windstärke 8 gegen an nach La Restinga segelten.

Gibt es eine Situation, die ihr nicht nochmal erleben wollt, wenn ja, welche?
Tomy: Wüsste ich jetzt keine.
Steffi: Gewitter, dem fühle ich mich ohnmächtig ausgeliefert. Und ehrlich: 22 Tage übers Wasser schippern ist einfach langweilig. Brauch ich nicht wirklich nochmal, auch wenn ich dem nicht entgehen werde.

Wo gefiel es euch am besten?
Tomy: Madeira und Salvador, Camamu
Steffi: Bretagne, A Coruna, Combarro, in Portugal, Madeira, La Palma, Santo Antao, Camamu und Bolivien: Die Welt ist an vielen Flecken schön!

Was würdet ihr heute anders machen?
Tomy: Ich würde mir mehr Zeit lassen für die französische und spanische Atlantikküste.
Steffi: Ich auch! Ich würde ein oder sogar mehrere Saisons in der Bretagne und in den Rias Galiciens verbringen.

A Coruna

A Coruna

Wie hat euch die Reise verändert?
Tomy: Ich habe Geduld, Achtsamkeit und Respekt vor der Natur gelernt. (Kommentar von Steffi: Er ist unterwegs viel kontaktfreudiger und unternehmungslustiger als zu Hause)
Steffi:  Ich weiß nicht, ob sie mich verändert hat. Vielleicht bin ich noch dankbarer geworden, dass ich all diese tollen Dinge erleben darf, für meine wunderbare Familie, meine Freunde und all die Menschen, ohne deren Unterstützung diese Reise nicht möglich wäre. Ich vertraue noch mehr, in mich, die Menschen und das Leben. Ich vergebe noch leichter und kann fünf besser gerade sein lassen, wenn es hilfreich ist. Gelernt habe ich viel, aber das kommt in einem anderen Bericht. Segeln ist nicht darunter ;-)

Was waren die schönsten Naturerlebnisse?
Tomy: Die Delfine, die zu meinen 60. Geburtstag auf der Biskaya vorbeikamen und Delfine im Allgemeinen
Steffi: Delfine und die Sterne auf See und im Altiplano in Bolivien

An welche Begegnungen denkt ihr am liebsten zurück?
Tomy: An die mit meiner Frau während 22 Tagen Atlantiküberquerung ;-) Ich finde es schön, unterwegs Leute kennen zu lernen und immer wieder mal zu treffen.
Steffi: Ach, da sind viele: Martin und Violetta, Heinz und Christine, Walter und Elke, Leentje und Patrick, Marisa in Oeiras und andere tolle Marinastaff,  Milan und Ilse, Jaqueline und Mischa, Anja und Thomi, Tom, Jochen und Hanna, die Crew dere Chulugi, meine Freundinnen, die zu Besuch kamen, unsere Freunde in Salvador und viele kleine Momente und kurze Begegnungen, zu viele, um hier Platz zu finden, aber dennoch in meinem Herzen.

Unser Freund Nico

Unser Freund Nico

Euer peinlichster Hafenkinomoment?
Tomy: Als sich die Leine des Dinghis beim Ankern um die Schraube wickelte, weil ich das Dinghi nicht beigeholt hatte.
Steffi: Der war noch vor unsere Abreise: Als wir das Vorsegel verkehrt herum einzogen… Unter Langzeitseglern gibt es die nicht wirklich: Alle wissen, dass sie mal Scheiß bauen und sind viel zu beschäftigt, ihr Schiff seetüchtig zu erhalten und einander zu helfen und zu unterstützen, als schadenfroh Filme zu drehen und auf Facebook zu stellen.

Welchen Rat habt ihr an Menschen, die von einer Weltumsegelung träumen, und hundert „Aber“ im Kopf haben?
Tomy: Losfahren! Man muss sich schon vorbereiten, aber dann auch losfahren. Unterwegs trifft man viele Leute, die keine Profis sind, kaum Erfahrung haben, teils mit beschränkten finanziellen Mitteln, auf winzigen Schiffen, manche Einhand oder auch mit zwei bis vier kleinen Kindern unterwegs sind und den Atlantik überqueren oder gar um Kap Horn fahren – da werden die eigenen Bedenken schnell klein!
Steffi: Bevor wir losfuhren, hatte ich eine genaue Vorstellung davon, wie eine Weltumsegelung auszusehen hat: Man kratzt genug Geld und Zeit zusammen, fährt im Mai, Juni in Europa los, spätestens im August über die Biskaya, im November in die Karibik, man kann Abstecher nach Gambia machen, aber im Großen und Ganzen ist man dann drei oder mehr Jahre unterwegs, kommt höchstens einmal dazwischen heim… Da bekommen viele Bedenken!
Inzwischen weiß ich, dass es so viele Arten einer Weltumsegelung gibt, wie es Menschen gibt. Ich spreche daher auch lieber von einer WeltBEsegelung: Manche dingeln die Atlantikküste entlang, bleiben jahrelang in der Bretagne, andere sind erst mal im Sommer in den Rias und im Winter daheim, weil Kinder und alte Eltern – Ansprüche haben? Nein, geliebt werden! Manche zieht es dann doch ins Mittelmeer, andere auf die Kanaren, wo sie bleiben. Wieder andere, so wie wir, finden immer wieder Wege, um nach Hause zu fliegen. Es gibt auch die, die in einem Jahr um die Welt stürmen.  Die einen fahren ganz alleine, andere lassen ihre Frau oder die Familie immer wieder einfliegen, andere segeln als Paar. Es gibt auch “betreutes Segeln” (ARC) und die, die kein eigenes Boot haben, fahren per Anhalter. Manchmal ergibt sich erst unterwegs, was für dich richtig ist. Leg dich nicht fest: Wichtig ist nur das Loslassen des Alten, Vertrauten und auch das ruhig nach und nach. Mach einnfach den für dich ersten Schritt. Alles andere kommt von selbst. Einen schönen Beitrag dazu gibt es auf Fortgeblasen.

Saveiros im Sonnenuntergang

Saveiros im Sonnenuntergang

Was inspiriert euch zu der Reise und der Route?
Tomy: Bücher, Erzählungen, da ist der Wunsch gereift, mit eigenen Mitteln, also mit dem Schiff aus eigener Kraft Orte zu erreichen, von denen ich gelesen habe.
Steffi: Ähm, zu segeln? Tomy. Ich muss nicht aus eigener Kraft irgendwohin, das weiter als einen Tagesmarsch auf eigenen Füßen entfernt ist. Ich nehme gerne den Bus, das Auto oder ein Flugzeug.
Aber ja, irgendwohin zu gelangen, wo „normale“ Touristen nicht hinkommen, hat bei beidem, Wandern und Segeln, seinen Reiz. Wohin genau es gehen soll, das lese ich in Büchern oder auf Reise- und Segelblogs oder durch Gespräche mit anderen Abenteurern

Traumbucht im Channel: Sark

Traumbucht im Channel: Sark

Was sind die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände an Bord?
Tomy: Windsteueranlage, AIS, Funk, eigene Stromversorgung
Steffi: Außer Segeln, einem Bett und einer Kochgelegenheit? Motor, Windsteueranlage und AIS. Und natürlich das Modem und die WLan Verstärker Antenne!

Hattet ihr schon mal Angst an Bord? Wie seid ihr damit umgegangen?
Tomy: Nein
Steffi: Regelmäßig, wenn Tomy an Deck rumtanzt! Ich weiß, dass ich, wir Hier und Jetzt sicher sind. Das ermöglicht mir, nicht die Nerven zu verlieren. Aber nein, richtig Angst hatte ich noch nie.

Wohin wollt ihr als Nächstes und was ist euer langfristiges Ziel?
Tomy: Im Herbst nach F. Guyana, Surinam und die Karibik, und jetzt gerade: Mücken töten. Langfristig? Weiß ich nicht, möglicherweise zurück nach Europa. Das wird dann in der Karibik entschieden.
Steffi: Ich bin immer zwischen Fern- und Heimweh hin- und hergerissen. Ich möchte in die Karibik, nach Kolumbien, Kuna Yala, Guatemala, vielleicht Kuba; Ich will nach Vancouver und dort segeln; Ich will aber auch nach Afrika, eine Safari machen. Und zurück nach Europa, in die Rias, nach England, da werde ich dann spätestens segeln lernen; durch den Caledonian Canal, den Götha Kanal, also in die Ostsee, die Donau bis ins Schwarze Meer, oder noch besser, auf die Wolga. Ich will vor der Einschulung unseres ältesten Enkelkindes zurück sein und mit ihm einen Sommer auf dem Boot verbringen. Viele Sommer und nicht nur mit ihm. Und mit dem Flugzeug reisen… Und Nähen, nähen, nähen. Unkraut jäten, mit meinen Kindern plaudern und den Engelskindern beim Wachsen zusehen.
Ach so, es waren die Pläne gefragt: Die werden den jeweiligen Gegebenheiten angepasst. Wunder warten an jeder Ecke!

Und was sagt Gustav dazu?Gustav-0373

Bei der Begleitung? Das Schwein von Welt schweigt und genießt!

 

Danke dir, lieber Leser, dass du uns in den vergangenen zwei Jahren immer wieder auf dem Blog besucht hast. Bitte bleibe uns die nächsten Jahre treu! Wir freuen uns auch immer über Fragen, Kommentare oder einem “Like” der Facebookseite. Bis bald!

 

Oficina Brennand, Recife

26. Mai 2016
von Steffi
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Die Brennand Museen: Genies oder Wahnsinnige?

Hast du schon jemals den Namen Brennand gehört? Francisco Brennand? Ricardo Brennand? Nein?
Du hast etwas versäumt!

1820 kam der Gründer der Dynastie, der Ingenieur Edward Brennand, nach Brasilien um am Eisenbahnnetz zu arbeiten und blieb. In den folgenden zwei Jahrhunderderten entwickelten sich die Brennands zu einer der reichsten Familien Brasiliens. Heute versorgen sie das Land mit Energie, Zement und anderen Baustoffen und mit –
Kunst, Kultur und nationaler Identität.

Francisco ist der Künstler, Ricardo der Sammler, beide Cousins und 1927 geboren. Beide Genies und Wahnsinnige zugleich.

Francisco interessierte sich für Literatur, wandte sich dann der Malerei zu und hielt nicht viel von Keramik, die er nur als praktisch ansah. Erst als er in Europa auf die Arbeiten Picassos, Gaudis und anderer Künstler traf, wandte er sich dem Ton zu. Da kam es gerade recht, dass der Vater eine Ziegelei und Keramikfabrik hatte, verfallen zwar, doch Francisco baute sie wieder auf. Und machte einen verwunschenen Ort daraus: Mit hunderten Skulpturen, Alleen von Tonvögeln, Springbrunnen und Wasserflächen. Er muss ein Besessener sein, nicht nur was die Anzahl seiner Werke, viele zwischen 1980 und 2005 entstanden, betrifft, sondern auch ihr Aussehen betreffend:  Seine Männer haben Riesenbrüste, er hat eine Vorliebe für runde Frauenhintern, und doch sehen seine Frauenfiguren eher phallisch aus. Vogelhälse winden sich wie Würmer oder Penise, Münder öffnen sich zum stillen Schrei.

Ich mache mir ernsthaft Gedanken über sein Kindheitstrauma.

Andrerseits: Der Mann steht kurz vor seinem 90. Geburtstag und wird der Welt einst einen Zaubergarten wie Niki Sankt Phalle hinterlassen. Nur in den Farben der Erde. Und relativ unbekannt. Es lebe sein Trauma!

Ricardo, sein Cousin muss an einem Trauma einer anderen Art leiden. Mit 12 bekam er sein erstes Taschenmesser geschenkt und sammelte von da an Blank- oder Handwaffen. Also Waffen, die ihre Wirksamkeit durch Muskelkraft entfalten im Kampf Mann gegen Mann. Seine Sammlung ist eine der größten der Welt, umfasst mittelalterliche Rüstungen, asiatische Dolche und eine beeindruckende Sammlung von Taschenmessern, das größte davon gute 15 cm breit!

Instituto Ricardo Brennand - O Castello, Recife

Rüstungen

Instituto Ricardo Brennand - O Castello, Recife

Taschenmesser

Um diese Sammlung auszustellen, baute er 2002 ein Schloss im Tudorstil. Genau, in Brasilien. Wenn das nicht genial wahnsinnig ist…

Zu allem Überfluss werden in dem Schloss nicht nur Waffen und Rüstungen ausgestellt, nein, die Wände zieren alte und neue Bilder von mehr oder weniger angezogenen Damen in verschiedenen Epochen.

Instituto Ricardo Brennand - O Castello, Recife

Waffen- und Bildersammlung

Es hat etwas von einem Gruselkabinett, aber eines, in dem du den Mund vor Staunen nicht mehr zubekommst!

Wenn du sein Museum besuchst, wirst du erst mal von einer riesigen Kopie von Michelangelos David begrüßt. Im Gebäude dahinter findest du das bunteste Sammelsurium an Gemälden, die dir je außerhalb des Wohnzimmers deiner Urgoßmutter begegnet sind: Blumen neben Landschaften neben nackten Frauen, neben angezogenen Frauen, neben abstrakten Blumen, Gärten und Schiffen. Das musst du gesehen haben!

Instituto Ricardo Brennand, Recife

David vorm Schloss

Instituto Ricardo Brennand, Recife

Bildersammelsurium – durch die Glasplatten davor konnte ich leider nicht den ganzen Umfang der Sammlung fotografieren…

In einem weiteren schlossartigen Gebäude ist der Kern der Kunstsammlung untergebracht, die Bilder des holländischen Malers Frans Post. Sie zeigen Brasilien in historischen Ansichten. Ergänzt wird diese Sammlung von anderen Bildern und Artefakten aus der Zeit, in der die Holländer in Brasilien Fuß fassen wollten, aber auch von alten Ansichten Rio de Janeiros (war noch Anfang des letzten Jahrhunderts ein Dorf!), Wandteppichen und anderen Objekten. Insofern ist ein Besuch dieses Museums für Brasilianer ein Muss! Geschichtsunterricht pur, auch für Fremde!

Ricardo, auch er lebt noch, hat außerdem eine Vorliebe für barbusige Frauenstatuen und allem, was er so in die Sammlerfinger bekam. Wirklich beeindruckt, weil ich so etwas noch nie vorher gesehen habe, war ich von einer chinesischen Schnitzerei: ein Buddhagarten aus dem Stoßzahn eines Mammuts mit feinsten Details.

Instituto Ricardo Brennand, Recife

Geschnitzt aus einem Mammutzahn

Instituto Ricardo Brennand, Recife

In einem Punkt allerdings sind die Cousins von allen guten Geistern verlassen: Die Museen liegen im gleichen Waldgebiet, nur durch einen Fluss getrennt, etwa zwei Kilometer Luftlinie voneinander entfernt. Von dem einen zum anderen zu spazieren oder mit einem kleinen Bähnchen zu fahren, wäre eine wunderbare Möglichkeit auch gleich die Natur zu genießen. Ich könnte mir unterwegs noch einen Spielplatz vorstellen, ein Kaffeehaus oder einen kleinen Tierpark…

Aber nein, es fehlt eine Brücke. Wohl auch zwischen den beiden. So liegen mindestens 10 km Fahrt mit dem Taxi dazwischen. Und unterschiedliche Öffnungszeiten.

Oficina Francisco Brennand, Recife

Es gab durchaus mal eine Brücke…

Aber vielleicht denke ich einfach zu europäisch…

Eines ist sicher, sowohl die Oficina Brennand als auch das Instituto Ricardo Brennand hinterlassen einen unvergesslichen Eindruck! Oder was meinst du?

INFO Brennand Museen

Anfahrt mit dem Bus von Olinda nach CDU (Universität) oder von Recife nach Varzea. Den Schaffner nach der Haltestelle zum Aussteigen fragen, Instituto Brennand oder O Castello verstehen sie. Dort ein Taxi finden, das zum Eingang bringt. Jeweils mit Taxi hin- und herfahren.
Keramik Werkstätte und Garten Oficina Brennand hat von 8:00 (wochentags) oder 10:00 (Wochenende) bis 17:00 geöffnet, Eintritt 15 Reals, Kaffeehaus
Kunstsammlung Instituto Ricardo Brennand nachmittags von 13:00 bis 17:00 Uhr, Eintritt 25 Reals, Kaffeehaus und Restaurant vor Ort
Beide MONTAGS geschlossen

Dieser Beitrag ist einer von dreien, in denen ich von Recife und Olinda berichte. Sie entstanden außerdem im Rahmen unseres Aufenthaltes in Jacare und Joao Pessoa.

Olinda, Sao Bento, Bonfim, Pernambuco -

22. Mai 2016
von Steffi
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Oh, linda! Olinda – lohnt sich ein Besuch der schönen Stadt?

„Oh, linda!“ soll der Stadtgründer ausgerufen haben, als er den Ort sah, an dem Olinda entstand. „Welch‘ schöner Platz um eine Stadt zu gründen!“

Ich bezweifle das: Damals, 1535, waren hier mit Atlantischem Regenwald bewachsene Berge – sicherlich wunderschön, aber auch ziemlich unübersichtlich. Zumindest von oben.

Und von oben hat man den besten Ausblick auf die unzweifelhaft schöne Stadt. Von ganz oben. Von der Caixa d’Agua. Dem Wasserturm. Besser übersetzt: Dem Wasserkasten.

Es ist mit Abstand das hässlichste Gebäude in der Altstadt von Olinda. Es ist so unglaublich hässlich und so entsetzlich fehl am Platz, dass ich darüber ausführlich schreiben muss: Dieses Gebäude schmerzt in meinen Augen!

Aber gemach, gemach – noch sind wir gerade erst angekommen. Sebastian, unser Gastgeber begrüßt uns mit einem fröhlichen „Servus“: Er kommt aus Wien. Da hab ich mal wieder einfach so und rein zufällig die richtige Unterkunft gebucht. Mir gefielen die bunt-fröhlichen Fotos auf der Website – es sah nach einem Ort aus, an dem wir uns wohlfühlen würden.

Und so war es dann auch.

Sebastian kam noch vor der Matura zum ersten Mal nach Brasilien, schlug sich im altersschwachen öffentlichen Bus gemeinsam mit Hühnern und ohne Sprachkenntnisse bis nach Olinda durch. Das gefiel ihm, es schmeckte nach Abenteuer.
Wieder daheim, lag der Vater dem Sohn in den Ohren: „Du musst deinen Weg finden!“
Sebastian erzitterte.
Instinktiv spürte er wohl, dass der Vater in dem Satz ein d mit einem m verwechselt hatte…
Er machte Matura, lernte Tischler, übte Cello, besuchte die Hotelfachschule und flog immer wieder nach Brasilien. Und eines Tages blieb er. Heute ist er Musiker und Gastgeber.
Ich behaupte, er hat seinen Weg gefunden!

Während wir nett mit Sebastian plauderen, Luni, die Straßenhündin, die mit seiner Familie ein Rudel gefunden hat, streicheln und mit seiner entzückenden Tochter „Drei gewinnt“ spielen, verwöhnt uns seine Frau mit dem besten Frühstück Brasiliens, all das mit traumhaften Blick über Olinda und Recife.

Dermaßen gestärkt machen wir uns auf den Weg, die Schöne zu erkunden, erst mal hinauf zur Praca da Se und zur Kirche des Bischofssitzes. Auf dem Platz davor tummeln sich die Souvenierverkäufer und die Tapioca Bäckerinnen. Tapioca sind so etwas wie Palatschinken oder Crepes aus Maniokmehl, kann süß gefüllt mit Früchten oder salzig, gefüllt mit Gemüse oder Käse gegessen werden. Sie gelten als Spezialität Olindas und sind lecker.

Auf der Praca da Se, links davon und nicht mehr im Bild der Kasten

Auf der Praca da Se, links davon und nicht mehr im Bild der Kasten

Und darüber wacht der Wasserkasten.

Schon 1936 entstand dieses Monstrum, wobei sein Architekt in einem Atemzug mit Le Corbusier und Oskar Niemeyer genannt wird. Das macht ihn nicht schöner. Von außen ist er mit sogenannten Cobegos verziert. Das sind quadratische Elemente aus Keramik oder Beton zum Bau von Wänden, die Luft und Licht durchlassen. Sie kommen aus Pernambuco, dem Bundestaat in dem Olinda liegt, finden aber in ganz Brasilien Einsatz. Gekonnt eingesetzt, in einem Set von – sagen wir vier bis zehn Stück, oder sogar als Zaun oder Trennwand können sie durchaus den Eindruck von feiner Spitze erwecken – ja, so könnten sie sogar schön sein.

Dieses Bild kursiert im Internet, ich kann den Urheber nicht herausfinden

Nur werden sie meist dazu verwendet, Trennwände oder direkt Kuben oder Quader zu bauen.
Kästen eben, einer Caixa do Isopor, jenen Kisten aus Styropor, in denen hier oft Getränke gekühlt werden, nicht unähnlich.
Und jetzt seht selbst:

Olinda, Caixa d'Agua

Olinda, Caixa d’Agua – hässlicher geht es kaum

Der Rest des historischen Olindas, Weltkulturerbe, besteht aus unzähligen Gassen mit bunten Häuschen im Kolonialstil und einer Menge barocker Kirchen. Die meisten Häuser sind renoviert, viele auch mit tollen Grafitti oder Wandbildern geschmückt. Ich fotografiere jedes Einzelne, da Joanna von der Chulugi mich beauftragt hat, kunsthistorische Fotos zu machen: Nun, in meinen Augen sind diese Murals Kunst, und historisch sind sie, weil sie nicht lang halten ;-) . Außerdem ist in Olinda der Übergang zwischen Kunst und Vandalismus fließend.

Graffiti in Olinda

Kunst und Vandalismus nebeneinander

Mich stören die beschmierten Wände allerdings weniger als der Müll: Die Wände bleiben in der Stadt, der Abfall endet im Meer. Nicht nur dass der Park der Misericordia-Kirche eher einer Gstätten, einem vernachlässigten Stück Land, gleicht, nein der Abfall liegt dort überall verteilt, die Treppen hinauf, vor der Türschwelle der Kirche. Ja, der liegt auch in meinem geliebten Salvador – aber nicht vor Bonfim, nicht in den Parks, nicht in Barra oder Rio Vermelho. Nicht dort, wo sich die Stadt der Welt präsentiert. Ich begreife einfach nicht, wie Menschen ihre Stadt einerseits so schmücken und auf der anderen Seite die öffentlichen Flächen verdrecken und verkommen lassen! Kann mir das mal einer erklären?

(Siehst du Joanna, auch ich finde mal ein Haar in der Suppe!)

Viele der Häuser zieren die riesigen Puppen, die im berühmten Karneval von Olinda und Recife durch die Straßen getragen werden. Ja, richtig gelesen: Berühmt. Der Karneval von Recife wird in Brasilien gemeinsam mit dem in Rio oder Salvador genannt. Es gibt auch einen eigenen Tanz, den Frevo, ursprünglich auch ein Kampftanz mit Elementen des Capoeira. Früher wurde er mit großen, schwarzen Schirmen getanzt, die sich auch als Waffe verwenden ließen. Heute drehen und schwenken die Tänzer bunte Schirmchen. Sie dienen auch außerhalb der Karnevalszeit quasi als Logo von Olinda.

Wir schlendern durch die bunten Gassen, lassen uns von allerlei schmucken Häusern und bunten Gärten verzaubern. Das historische Zentrum Olindas lebt, anders als das Pelourinho in Salvador: Hier leben Menschen, hier wachsen Bäume, hier gehen Kinder in die Schule, studieren junge Leute und alte ziehen jeden Freitag ab zehn Uhr abends musizierend von einer Kirche zur anderen.
Sie sind irgendwie rührend.
Und jetzt verrate ich dir ein Geheimnis: Tomy übt Ukulele spielen. Ich habe ihm vorgeschlagen, er sollte die Gruppe fragen, ob er mitspielen darf: Happy Birthday kann er, wenn er das immer wieder wiederholt, so fiele sein Mitspielen gar nicht auf…

Den Sundowner am nächsten Abend verbringen wir in einer unspektakulären Bar etwas unterhalb des Bischofsitzes mit Blick auf Recife. Neben uns sitzen drei Musiker, die angenehm leise auf ihren Gitarren klimpern und dazu singen. Sie laden uns ein mitzusingen, doch wir kennen die Texte nicht. Außerdem spielt Tomy weitaus besser Ukulele, als er singt. Später erzählt uns Sebastian von der jeden zweiten Mittwoch stattfindenden Chora de Roda, einer Art Kreissingen: Jeder fällt mal ein, spielt ein Lied an, alle singen mit, denn die Lieder sind bekannt. Gemeinsam musizieren, in kleinem Kreis, nicht für die Touristen, sondern weil es Spaß macht – auch das ist Leben!Olinda-0776

Die Menschen sind von natürlicher Offenheit. Sie erkennen selbstverständlich sofort, dass wir Ausländer sind, fragen woher wir kommen, rufen zur Antwort „Alles klar“, weisen uns ungefragt den Weg, vertreiben Bettler, setzen uns in den richtigen Bus und zeigen uns, wo wir austeigen müssen.

Ich mag auch die Schwingung des Ortes: Wir können abends flanieren, es gibt ruhige Gassen und solche mit Bars und Musik, wir fühlen uns sicher. Apropos Musik: Am Samstag werden wir mit Trommeln beschallt: Von unten und von oben, die ganze Nacht bis vier Uhr früh. Am Sonntag verstummen sie um zehn Uhr abends, es folgt Totenstille bis der Bem-te-vi und andere gefiederte Sänger uns sanft aufwecken.

Okay, der Hahn nebenan war noch etwas früher.

Dann folgen die Kirchenglocken und die klingen… Wie daheim in den Alpen!

Sao Bento, Olinda

Sao Bento

Kühe gibt es keine, aber Pferde.Olinda-0920

Ja, Olinda, zwischen Pferdekarren und Luxuskarossen, zwischen bunten Häuschen und modernen Hochhäusern lohnt den Besuch, durchaus auf für ein paar Tage.

INFO Olinda

Anreise von Jacare/Joao Pessoa
Öffentlich
Mit dem Zug nach Joao Pessoa, zu Fuß zum gegenüberliegenden Rodoviaria, Busbahnhof, Busse nach Recife gehen halbstündlich von verschiedenen Busgesellschaften. In Abreu e Lima austeigen (sollte der erste Stop nach etwa eineinhalb Stunden Fahrzeit sein). Dort ein Taxi nach Olinda nehmen. Es gibt auch einen Bus.
Kosten: Bus nach Recife zwischen rund 28 und 32 Reals, zurück ist etwa 5 Reals preiswerter, weil die Busteiggebühr entfällt. Taxi von Abreu e Lima nach Olinda 50 bis 70 Reals. Fahrzeit insgesamt etwa drei Stunden.

Mietauto
Localiza ist ein guter Mietwagen-Anbieter in Brasilien, die Autos können online reserviert werden, nur portugisisich. Es gibt eine Niederlassung in Intermares, dort sind die Autos aber teils signifikant teurer als in Joao Pessoa.

Anreise von Recife
Mit dem Bus Richtung Rio Doce. Dem Schaffner bitten, vor der Haltestelle Bescheid zu sagen. Aber eigentlich ist die Haltstelle zu erkennen. Mietauto macht von Recife aus keinen Sinn, weil in Olinda ist es sinnlos bis hinderlich, wegen enger Gassen und fehlenden Parkplätzen.

Unterkunft:
Cama e Cafe Olinda

Ich erhalte von keiner der verlinkten Firmen irgendwlche Vergütung, sondern empfehle sie, weil ich sie aus persönlicher Erfahrung für gut halte.

Zugfriedhof in Joao Pessoa

17. Mai 2016
von Steffi
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Joao Pessoa – Hans Mensch

Salvador und Bahia verwöhnt. Wer dort war, tut sich schwer mit Joao Pessoa und Paraiba…

Dabei gibt es in Paraiba etwas, das in Brasilien Seltenheitswert hat: Eine Bahnlinie! Gut, es gibt auch eine in Salvador, es wird dort sogar eine neue gebaut, die Metro (nebenbei seit ca. 20 Jahren, doch seit Ende letzten Jahres fahren dort tatsächlich Züge.)

Wie auch immer – das brasilianische Schienennetz ist schlecht ausgebaut und hat einige strukturelle Probleme, zum Beispiel verschiedene Spurweiten. Umso erstaunlicher ist es, dass zwischen Cabedelo und Santa Rita auf 30km eine moderne Straßenbahn fährt, mit Klimaanlage und Ansage!

Eine. Nein, zwei.

Es fahren zwei Züge hin und her – ein moderner und ein Dinosaurier.

Hier fahren tatsächlich Züge

Hier fahren tatsächlich Züge

Nachdem wir schon ein wenig vertraut mit dem Fahrplan sind, passen wir den klimatisierten Zug ab, um nach Joao Pessoa, der Hauptstadt des Bundestaates Paraiba, zu fahren. 35 Minuten dauert die Fahrt, vorbei an weidenden Pferden, Kühen, Ziegen und Eselskarren. Die Hütten entlang der Bahnstrecke sind kaum von Müllsammelstellen, Müllverwertungsstellen oder einfach nur Müllhalden zu unterschieden.

Ich will es positiv als einen Versuch, des Plastikmülls Herr zu werden, sehen…

Noch etwas Seltenes gibt es in Joao Pessoa: Hinweisschilder für Touristen! Manche sind verbeult und verrostet, aber immerhin weisen sie uns zur wichtigsten Kirche hier, der San Antonio und dem Klosterkomplex Sao Francisco. Dort kommen wir sogar in den Genuss einer Führung, auf Portugiesisch natürlich. Trotzdem ist das nett, denn so kommen wir auch in die Sakristei und hinauf in den Chor. Außerdem ist die Kirche, mal abgesehen von den Fledermäusen, die darin wohnen, gut in Schuss. Sie beherbergt das örtliche Kulturzentrum, eine Galerie und ein kleines Museum für sakrale Kunst.Joao Pessoa-0427 Joao Pessoa-0399 Joao Pessoa-0423

Daneben befindet sich die viel schlichtere Kirche der Nossa Senhora das Neves, der Schutzheiligen der Stadt. Sie war auch ihre erste Namensgeberin: Unter den Franzosen hatte sie keinen Namen, die Portugiesen benannten sie nach der Schutzheiligen, die Holländer Frederica oder Frederikstaad, dann kamen wieder die Portugiesen und gaben ihr den indianischen Namen Pahrayba, und schließlich nach der Ermordung des Gouverneurs dessen Namen: Joao Pessoa, auf gut deutsch: Johann Person. Oder Hans Mensch. Max Mustermann. Thomas Müller. Man kann hier Mensch sein, Joao Pessoa gilt als sicher. Als östlichste Stadt Amerikas trägt die Stadt außerdem den Titel:

„Stadt, in der die Sonne zuerst aufgeht“

Irgendwie haben wir das Gefühl, sie geht eher unter: Von vielen der alten Häusern stehen nur mehr die Fronten, schwarz vor Schimmel. Ich brachte es nicht mal über mich, sie zu fotografieren. Viele Gebäude sind mit Schmierereien bedeckt, selbst die Kirchen. Die Altstadt ist allerdings hübsch, auch wenn ihr Potenzial als Touristenmagnet völlig flach liegt: Keine Kneipen, keine Galerien, keine Souvenirs. Stattdessen beherbergt es die Orthopädie- und Sanitätsgeschäfte der Stadt. Also, falls du hier mal einen Rollstuhl brauchst, weißt du jetzt, wo du ihn bekommst.

Die ALtstadt von Joao Pessoa

Die Altstadt von Joao Pessoa

Joao Pessoa-0388

Oben Graffiti oder Murals, an der Mauer links Schmiererei…

Im Zentrum herrscht reges Treiben: Fliegende Händler verkaufen Obst, meist Acerola und Pinha, es gibt viele Geschäfte und Einkaufszentren, auch die Regierungsgebäude sind sehr hübsch. Der Park davor ist nett und beherbergt einen faszinierenden Baum mit wunderschönen Blüten und großen Früchten, beides wächst direkt aus dem Stamm.

Regierungsgebäude in Joao Pessoa

Regierungsgebäude

Wer kennt diesen Baum?

Wer kennt diesen Baum?

Wir haben Hunger und Durst und suchen ein Restaurant. Meine Ansprüche sind nicht hoch: Hell hätte ich es gerne, mit ganzen Plastikstühlen und sauberen Wänden. Wieso geben sich die Menschen hier mit einer dunklen Foodplaza im Einkaufszentrum und Kilorestaurants mit dem Charme einer Bahnhofswartehalle zufrieden? Ich beginne Anja von der Robusta zu verstehen, die genau das schon in Salvador störte. Dort kenn ich halt die Lokale, in denen es anders ist, das sind allerdings auch nicht die preiswerten Kilorestaurants.

Irgendwann werden wir fündig, das Essen ist gut, das Ambiente – hell ist es, die Stühle sind noch ganz und an der Wand hängt ein Foto von Elvis.

Ich spreche hier übrigens vom Zentrum zwischen Bahnhof und Stadtteich, nicht von den Randbezirken oder von den Stränden. Letztere müssen wir noch erkunden, vielleicht verliebe ich mich dann doch noch in den Hannes.

Der Rückweg führt wieder durch die Altstadt – und siehe da, ich finde doch noch zwei Schmankerln:

Das Haus der Freimaurerloge Weiße Tage, Dias Brancas, welches nicht nur mit esoterischen Symbolen geschmückt ist, nein auch zwei barbusige Sphinxen bewachen den Eingang. Die anderen barbusigen, anzüglichen Frauen finden wir in der Karmeliterkirche.

Eingang der Freimaurerloge in Joao Pessoa

Freimaurerloge Dias Brancas

Ich wäre gerne Mäuschen in den vergangenen Jahrhunderten um zu sehen, wer sich da gerne hinsetzt. Obwohl ich Pech haben könnte: Früher saßen die Frauen doch links in der Kirche, oder?

Wer hat sich daran erfreut?

Wer hat sich daran jeden Sonntag erfreut?

Warst du schon mal in Joao Pessoa? Wie hat es dir gefallen? Mischa und Jaqueline von der Sailor Moon gefiel es jedenfalls besser, wie du hier nachlesen kannst.

 

PS: Hab ich vor ein paar Tagen geschrieben – mittlerweile fährt der Zug nicht mehr bis Joao Pessoa. Irgendetwas ist kaputt. Man muss in Mandacru austeigen und mit dem Bus weiter…

Nivea Dose Kinderzeichnungen

12. Mai 2016
von Steffi
6 Kommentare

Vom Jagen und Sammeln

Auf einem Segelschiff ist wenig Platz – das setzt der Sammelwut enge Grenzen! Und doch und doch…

…kann ich an keinem Geschäft mit Nivea-Produkten vorbeigehen. Und das ist jetzt keine Werbung, denn das einzige, das ich suche, ist diese kleine blaue Dose – mit einem Bild auf dem Deckel. Und leider, leider ist Beiersdorf dazu übergegangen, diese speziellen Dosen zu globalisieren: Gab es früher in fremden Ländern eigene Serien, so sind sie heute fast weltweit gleich. Wirklich dämlich!

Was mich nicht von der Jagd abhält:

In La Paz zum Beispiel, strebte ich zielstrebig die blaue Kosmetik-Abteilung des Supermarktes an – und wurde fündig! Zwar hatte ich dieses Motiv schon aus Deutschland, doch um die Sammlung etwas aufzupeppen, kaufte ich sie trotzdem.

Dose aus Bolivien mit internationalem Motiv

Dose aus Bolivien mit internationalem Motiv

Aber halt, auch wenn ich mit über diese neue Dosenpolitik ärgere, so gibt es doch erfreuliche kleine Ausnahmen: Manchmal gibt es in anderen Ländern ein Motiv mehr, oder es ist in der Größe verschieden oder in der Beschriftung.

Nivea Dose

Dosen aus Russland, Slowenien und Deutschland – Schönheit ist… in verschiedenen Sprachen

Das alles ist natürlich nichts gegen die guten alten Zeiten, in denen in Spanien, Österreich und Frankreich Kinderzeichnungen auf die blaue Dose gedruckt wurden, oder Entwürfe von Designern – was einmal zu einem Disput der deutschen Mutter mit der französischen Tochter führte: Die Dosen, die Fifi Cachnil entwarf waren

Rosa!

Nivea Dosen, boite nivea

Nivea Dosen aus Frankreich, entworfen von Fifi Cachnil

Und wenn sie alles sein dürfen, dann nicht das!

Natürlich gibt es Dosen mit Segelschiffen, Fischen, Muscheln – und einer Meerjungfrau! Die ist sogar hier an Bord! Der Rest ist in meinem Gästebad zu Hause in Deutschland ausgestellt: Weit über 200 Dosen, alle mit unterschiedlichen Motiven. Ich wage mal zu behaupten, ich habe die größte Nivea-Motivdosen Sammlung Deutschlands, vermutlich der Welt!

Nivea Dose mit Arielle

Arielle ist mit an Bord

Was ich mit der vielen weißen Creme mache? Umfüllen und verschenken, denn selbst brauche ich nicht so viel.

Mit modernen Techniken hat heute übrigens jeder die Möglichkeit sein Konterfei auf einen Deckel einer blauen Dose drucken lassen. Allerdings sind die nicht echt, also nicht auf Metall, sondern auf Fotopapier gedruckt und mit einer Plastikhülle auf den Deckel gestülpt.

Nivea Dose mit Foto

“Falsche” Nivea Dose mit Foto von mir vor meiner Sammlung im Gästebad

Warum ich dir von meiner Sammelwut erzähle? Erst mal um bei der Sarahs Blogparade “Sammelwut” mitzumachen. Und dann natürlich weil ich die Hoffnung auf „Fremde Länder – fremde Dosen“ nicht aufgebe: Bitte suche für mich mit! Oft gibt es die Motivdosen nicht in jedem Geschäft, manchmal am Markt, manchmal in der Drogerie, wer weiß vielleicht auch mal auf einen Flohmarkt!

Alle meine Dosen findest du auf Pinterest.

Übrigens: Japan hat tolle Dosen! Nur komm ich nicht dran…

Und was sammelst du so?