29. Juni 2016
von Steffi
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Gustavs unglaubliche Abenteuer in Bolivien – Best 1/2016

Du vermisst Gustav? Er war auf einer abenteuerlichen Reise in Boliven…

Dort enstanden auch die besten Fotos im ersten Halbjahr 2016, mit denen ich hier von seinen Abenteuern erzähle – es sind ein paar mehr als sieben!

Er spielte Schach in Santa Cruz de la Sierra:

Gustav Santa C (2)

Kategorie Schwarz Weiß, naja fast!

Und Klavier in La PazGustav -0209

Gustav???
Gustav!!!! Das hast du doch nicht nötig! Das wird mir jetzt zu bunt!

Gustav -0188

Kategorie Bunt

In La Paz kämpfte er mit einem wilden Stubentiger:

Gustav -0235

Kategorie Tierisch

schloß Freundschaft mit einem PferdGustav-0257

und versuchte sich daraufhin als selbständige Kühlerfigur:

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Kategorie Fahrzeug

Er fuhr mit der Seilbahn

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In Copacabana am Horca del Inca verlor er sich in Zeit und Raum:Gustav-0501

Gustav bewunderte die Grüne Lagune:

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Kategorie Natur

An der Laguna Colorada hütete er Lamas:

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Im Valle de las Rochas ruhte er sich aus – war übrigens verdammt hart, dieses Grünzeug, soll ich euch sagen:

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Kategorie Lieblingsbild

Als Gustav Gwayne wartete er auf den Mittagszug:

Und der Feind kam – siehe Titelbild…

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Er machte erstaunliche Fotos auf dem Salzsee Uyuni:

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Und verhinderte, dass unser Jeep davonrollte:Gustav-0504

Auf der Kakteeninsel Incahuasi fühlte er sich wie ein Fakir:

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Kategorie Licht

Am Friedhof der Züge spielte er Verstecken:

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Bei Sucre im Parque Cretacico wurde Gustav beinahe von einem riesigen Dinosaurier zertrampelt!

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Und von einem Rattensaurier gejagt:Gustav-0748

In Sucre schlug er die Stunde:

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Bei Samaipata im Parque Amboro badete er im Amazonas, oder etwas, das mal Amazonas wird:

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In einer Nische in El Fuerte wurde er als Inca-Gott verehrt:

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Und entspannte im warmen Wasser in der Nähe des Wasserfalls:Gustav-1041

Haben dir Gustavs Abenteuer gefallen? Bald gibt es mehr davon! Er ist schon ganz aufgeregt…

 

Mit diesem Beitrag nimmt Gustav an der Fotoparade 1-2016 von Erkunde die Welt statt, nicht ganz regelkonform, aber ich hoffe unterhaltsam! Viele weitere tolle Fotos und Blogs der Teilnehmer findest du hier: fotoparade-1-2016-highlights

Danke für die Fotoparade, Michael! Hat Spaß gemacht, ich hoffe du lässt Gustav trotz Regelverstoß mitmachen!

Recife, Altstadt, Waterfront

22. Juni 2016
von Steffi
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Recife: Eine Stadt zum Leben. Zumindest am Sonntag

Recife hat einen schlechten Ruf. Die Stadt gilt als gefährlich.
Nun gut, welche große Stadt nördlich von Sao Paulo gilt in Brasilien schon als sicher?

Recife gilt außerdem als das Venedig Brasiliens, weil es auf einer Insel liegt, von Wasser umgeben, mit Brücken verbunden. Damit hören die Gemeinsamkeiten schon auf und doch ist Recife auf seine Arte eine sehr reizvolle Stadt, in der du dich durchaus wohl und sicher fühlen kannst.

Zumindest am Sonntag. Da ist nämlich die gesamte Altstadt, das ehemalige Hafenviertel, für Autos gesperrt, Fußgänger und Fahrradfahrer haben freie Bahn. Wir schlendern von der Bushaltstelle direkt zum Marco Zero, jenem Platz, an dem Grundstein der Stadt von den Portugiesen gelegt wurde. Recife, der Name kommt von den vorgelagerten Riffen, Recife auf Portugiesisch, blieb jedoch bis zur Ankunft der Holländer ein Dorf in den Sümpfen. Diese legten die Sümpfe trocken, bauten einen Hafen und entwickelten den Ort zu einem Handelszentrum, das in der Folge Olinda den Rang ablief. (Dabei geholfen hat sicher auch, dass die Holländer Olinda in Brand steckten…)

Altstadt Recife, Marco Zero

Altstadt Recife, Marco Zero

Am Marco Zero herrscht reges Treiben: Eine Trommelgruppe wirbelt, Skateboarder üben ihre Kunststücke, Kinder fahren Go-Kart, Familien und Sportler sind mit dem Fahrrad unterwegs. Viele lassen sich von kleinen Bötchen auf den gegenüberliegenden Wellenbrecher bringen um zu den südlichen Stränden oder eine große Runde zu fahren.

Recife, Marco Zero

Marco Zero, Recife

Auch wir setzen über, wundern uns wieder über die Skulpturen von Francisco Brennand, die anlässlich der 500-Jahrfeier der Stadt dort aufgestellt wurden. Wir schlendern an einem der Yachtclubs und den Grundmauern eines historischen Badehauses vorbei Richtung Boa Viagem, einem der neuen, modernen Stadtviertel. Wir wundern uns desweitern über diverse Bausünden und fragen uns, warum Menschen unbedingt in Hochhäusern leben wollen. In der Ferne sehen wir noch einige Yachtclubs und eine Regatta der Optimisten, der jüngsten Segler – es sieht alles sehr einladend aus. Warum genau segelt niemand nach Recife?

Wir gehen zurück, setzen wieder über und erkunden das alte Hafenviertel. Denn ja, da wo sich heute die Mittelklasse aufwärts vergnügt, wurden einst Waren umgeschlagen, Freier betrogen und Matrosen angeheuert. Ist dir eigentlich schon mal aufgefallen, dass Heuer, Hure und hora/hour/(Stunde) den gleichen Wortstamm haben? Uhr auch?

Altstadt Recife

Altstadt Recife

In den Gassen hinter der Waterfront stehen einige wunderschöne alte Gebäude, die meisten renoviert. Sie erinnern uns an die großen alten Seebäder in Europa, an Abazia (Opatija) und Brighton. Die älteste Synagoge auf amerikanischen Boden befindet sich in einer dieser Gassen, leider ist sie geschlossen. Viel Spaß haben wir nebenan mit Elvis, David Bowie, Yoda, Darth Vader, dem Papst, Che und Frieda – alle überlebensgroße Karnevalspuppen. Davor wird der Nachmittagsmarkt aufgebaut, Kunsthandwerk und Handarbeiten werden feilgeboten.

Frieda, Che und ich

Frieda, Che und ich

In einer anderen Ecke des alten Viertels steht das alte Zollhaus, wunderschön renoviert. Innen drinnen befindet sich ein modernes, exklusives Shopping Center! Sehr nett. Daneben ist eine Kirche, hübsch für eine Hochzeit dekoriert und gegenüber gutes Graffiti, auf der anderen Seite eine unschöne moderne Bücherei und daneben ein abgewracktes, hässliches Parkhaus…

Es ist nicht die einzige Bausünde hier.

Mittlerweile sind meine Beine einigermaßen müde, die Erkundung des Viertels am anderen Ufer mit Kirchen und alten Regierungsgebäuden, entfällt. Stattdessen finden wir ein Plätzchen in einem der Restaurants in den alten Lagerhäusern. Downtown Pier heißt der Schuppen und gehört wohl Heineken. Tomy will erst nicht hin, denn Heineken ist in seinen Augen kein Bier. Stimmt. Es ist eine Brauerei, also gibt es dort auch Bavaria Bier. Und sehr leckeres Essen zu einem sehr anständigen Preis.Recife-0903

Ich mag Recife. Mir tut es schon am Abend, als ich noch einiges nachlese, Leid, dass wir nicht mehr Zeit und Energie hatten um das Museum Poço do Frevo, wo sich alles um den Karnevalstanz dreht, zu besuchen, oder eben die andere Seite oder den Torre: In Recife steht der einzige noch verbliebene Anlegemast der Zeppelins Hindenburg und Graf Zeppelin. In den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts flogen diese direkt von Frankfurt nach Recife!

Fazit unserer drei Tage in Olinda und Recife:
Prädikat erlebenswert.
Fahrt hin.
Segelt hin.

INFO Recife

Anfahrt öffentlich von Olinda mit dem Bus nach Casa Cajada. Die Altstadt ist erkenntlich, trotzdem zur Sicherheit den Schaffner nach der richtigen Haltestelle fragen. Rückfahrt nach Rio Doce oder fragen „Passa Olinda?“
Museen sind montags geschlossen
Sonntags ist die Altstadt um den ehemaligen Hafen für Autos gesperrt.

Es gibt viel zu sehen in Recife: Die Altstadt, das Frevo Museum, den Torre, die Strände, die beiden Brennand Museen, die Synagoge, den Handwerksmarkt am Sonntag, die Kunsthandwerkshalle in einer Hafenlagerhalle, Shopping, viele Restaurants und Bars…
Plane mindestens zwei, besser drei Tage ein – und einen für Olinda!

Wenn du Segler bist – ich würde heute wenigstens für ein paar Tage Recife anlaufen!

 

Dieser Beitrag ist einer von dreien, in denen ich von Recife, den Museen Brennand und Olinda berichte. Sie entstanden außerdem im Rahmen unseres Aufenthaltes in Jacare und Joao Pessoa.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

15. Juni 2016
von Steffi
6 Kommentare

Die Newa

Ob ich einmal nach St. Petersburg segeln werde? Lust hätte ich schon, denn

Ich hatte eine Wohnung am Ufer der Newa…
Die Sonne tauchte mich im Sommer in meinem Bett bis kurz vor Mitternacht in ihr gold-rot-lila Licht, im Winter verzauberte sie meine Welt mit glitzernden Feenstaub.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Blick aus unserem Fesnter; Sonnenuntergang über der Peter und Paul Festung

Jeden Tag führte ich meinen kleinen Hund Tessa an ihren Ufern spazieren.
Komm, ich nehme dich mit, erst mit dem Schiff, dann zu Fuß…

Die Newa ist ein 72 km kurzer, aber wasserreicher schiffbarer Fluss, der bei Schlisselburg dem Ladogasee entspringt und bei St. Petersburg in die Baltische See mündet. Auf den Flüssen, die in den See entwässern, könnte man bis ins Schwarze Meer gelangen…

Eine beliebte Flusskreuzfahrt beginnt in Moskau und geht über den See bis nach St. Petersburg. Fahren wir ein Stück weit mit:

In der Festung Schlisselburg wurde einst Zar Iwan VI von Zarin Elisabeth I sein ganzes kurzes Leben festgehalten, eine komplizierte und grausame Sache. Nicht weit von hier führte die Straße des Lebens über den zugefrorenen See: Auf ihr wurden im zweiten Weltkrieg Lebensmittel in die von den Nazis belagerte Stadt transportiert. In ihrer Nähe fand die zum Durchbruch der Blockade St. Petersburgs führende Schlacht statt. In einem Diorama, einem riesigen Schaukasten, wird die Szene mit Modellfiguren und -landschaften vor einem halbkreisförmigen, bemalten Hintergrund dargestellt. Es ist ganz schön beindruckend!

Ein Spaziergang entlang der Newa, Schlüsselburg | Segeln mit Yemanja

Festung Schlisselburg

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Das Diorama zeigt die Schlacht zum Durchbrch der Blockade von St. Petersburg

Danach windet sich die Newa wie eine Schlange vorbei an kleinen Dörfern, Kirchen, alten Häuschen und hässlichen Industriegebäuden, bis sie die ersten Vororte von St. Petersburg und bald auch die Autobahnbrücke erreicht. Diese Brücke ist in den weißen Nächten die einzige, die sich nicht öffnet, weil sie hoch genug ist, und damit ist sie die einzige Verbindung zwischen den beiden Ufern.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Usd Ischora

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Typisches Holzhaus am Land

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Kraftwerk an der Newa

Weiter geht es flussabwärts, vorbei am Alexander Newsky Kloster, auf dessen Friedhof einige berühmte Menschen die letzte Ruhe fanden. Nicht lange danach kommen die blauen Türme von Smolny in Sicht, von Elisabeth I als Kloster und Altersruhesitz erbaut. Später beherbergten die Klosterräume die erste Bildungsanstalt für Mädchen in Russland. Auch heute ist noch ein Lyzeum dort untergebracht, die Kirche dient als Ausstellungsraum.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Smolny

Bald kommen wir an die Liteiny-Brücke, dort steigen wir am rechten Ufer aus dem Boot und gehen zu Fuß weiter – auch wenn dort in Wirklichkeit gar kein Anleger ist. Vor uns liegt die Aurora, von der aus angeblich der Startschuss für die Oktoberrevolution kam. In Wirklichkeit war diese zu dem Zeitpunkt schon längst im Gange.

Ein Spaziergang entlang der Newa, Panzerkreuzer Aurora | Segeln mit Yemanja

Panzerkreuzer Aurora

Dahinter liegt Peters Häuschen: Der fast zwei Meter große Zar Peter I der Große wohnte während der Erbauung der Stadt und Trockenlegung der Sümpfe des Mündungsdeltas tatsächlich in diesem winzigen Haus. Heute ist darum herum ein größeres gebaut, so dass wir herumgehen und bei den Fenstern hineinspingsen können. Selbst dieses äußere Haus ist noch recht klein!

Ganz anders hingegen die Peter und Paul Festung! Sie ist benannt nach den Heiligen der kleinen Kirche, in der die Zaren ihre letzte Ruhe fanden. Umgeben ist sie von einer Festungsmauer, die sich auch in der kühlen Sonne des Nordens schnell erwärmt, sogar im Frühling, wenn noch Schnee liegt. Dann stehen die Petersburger in der Badehose an die Mauer gelehnt und sonnen sich.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Sonnenanbeter vor der Peter und Paul Festung

Im Sommer stehen dort viele Schaulustige und beobachten die Spektakel auf dem Fluss: Schiffsparade, Motorbootrennen, Segelregatta – hier zwischen der Festung und dem Winterpalast ist der zentrale Veranstaltungsort auf der Newa.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Regatta

Eine Brücke über die Kleine Newa führt zur Strelka, wo sich die Newa in die Kleine und die Große Newa teilt. Peter der Große wacht in der Gestalt des Neptun über die Stadt, sowohl an der Börse als auch an einer der Rostalsäulen. Viele Brautpaare lassen sich hier mit dem Winterpalast oder dem Springbrunnen im Fluss fotografieren. Sie fahren in großen Stretch-Limousinen von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit, machen Fotos und trinken jede Menge Sekt. Der Müll bleibt liegen…

Ein Spaziergang entlang der Newa, Strelka| Segeln mit Yemanja

Sonnenaufgang an der Strelka

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Neptun – Peter der Große wacht an der Börse über die Newa

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Der Brunnen an der Strelka mit brennenden Rostalsäulen (Alje Parussa Fest, Sonnenuntergang)

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Hochzeit an der Newa

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Der Müll bleibt liegen

Die meisten Touristen würden jetzt über die Schlossbrücke zum Winterpalast gehen. Aber wir führen ja meinen kleinen Hund Gassi und so schlendern wir weiter an der Kunstkamera und dem Menschikoffpalast vorbei entlang der Großen Newa. Gegenüber fällt der Blick auf die Admiralität, die imposante Isaakskathedrale und ehemalige Paläste und Herrenhäuser.

Ein Spaziergang entlang der Newa, Winterpaalast | Segeln mit Yemanja

Blick zurück zur Schlossbrücke und Winterpalast/Eremitage

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Isaakskathedrale

Oh, vorher wirft sich noch ein Mann im Anzug vor Tessa auf die Knie und fragt, ob er sie küssen darf. Sie sieht nämlich aus wie eine glücksbringende Hundestatue in einem Hinterhof: Wer sie küsst, kommt zu Geld…

Tessa, der Glück bringende Hund

Tessa, der Glück bringende Hund

Glück bringt auch das Berühren einer der beiden Sphinxen am Kai vor der Universität – wie überhaupt fast jede Statue in St. Petersburg eine Stelle hat, an der die Berührung derselben Glück bringt. Die dreieinhalbtausend Jahre alten Sphinxen stammen tatsächlich aus Ägypten, rechtmäßig erworben übrigens, und sehen das alles gelassen.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Blick von der Isaakkathedrale auf die Universität, davor die beiden Sphinxen

Ein Stückchen hinter der letzten, der Blagoweschtschenski-Brücke. liegen ein paar alte russische Traditionsschiffe und ein U-Boot. Gegenüber machen die Kreuzfahrtschiffe und ausländische Traditionsschiffe fest. Wir gehen aber über die Brücke, an der im Sommer hunderte Spinnennetze hängen und die Mücken fangen, die zu Millionen mit dem Wind in die Stadt getrieben werden. Von hier aus kannst du in der Ferne die Hafenkräne an der Flussmündung sehen und die Baltische See erahnen.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Russische Schiffe

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

An der Anlegestelle der seegängigen Kreuzfahrtschiffe

An pastellfarbenen Fassaden vorbei führt unser Weg zum Admiralitätspark. Hier exerzieren Soldaten am Stadtgeburtstag, heben Heißluftballone ab und wir treffen dort auch wieder auf eine Hochzeitsgesellschaft. Und auf den ehernen Reiter, natürlich Peter der Große.

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Exerzieren zum Geburtstag von St. Petersburg am 31. Mai

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Ballonfestival vor der Isaakskathedrale

Zugegeben, der Hund möchte jetzt lieber durch den Park gehen, doch auch an der Newa entlang ist ein Grünstreifen. Im Sommer sind dort Bierbuden aufgebaut, es ist ein wunderbarer Platz um den Sonnenuntergang zu erwarten. Familien spazieren vorbei und Touristen aus aller Welt, die Newa-Walrosse gehen baden. Noch schöner aber ist es dort vielleicht an einem sonnigen Tag im Winter, wenn die Temperatur unter 25 Grad minus fällt und aus der Newa Dampf aufsteigt. Das sind die magischen Tage, an denen die Luftfeuchtigkeit gefriert und als golden glänzender Feenstaub auf dich rieselt…

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Familienausflug am Newa Ufer

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Die Walrosse der Newa

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Blick über die Newa zur Peter und Paul Festung mit Weihnachtsbeleuchtung

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Blick auf die Kunstkamera an einem der magischen Wintertage

Doch die meisten Menschen kommen in den weißen Nächten nach St. Petersburg. Während du im Rest der Stadt kaum etwas davon merkst – außer vielleicht am Newsky Prospekt, auf dem bis spät in die Nacht flaniert wird, herrscht hier unten an der Schlossbrücke Partystimmung: Feuerspucker, Tänzer, Musik und jede Menge erwartungsvolle Menschen treffen wir dort: Um etwa halb zwei Uhr nachts gehen die Brücken auf, die Containerschiffe die auf der Newa Waren vom Schwarzen Meer bis in die Baltische See bringen, haben nun freie Fahrt.

Ein Spaziergang entlang der Newa, Palastbrücke | Segeln mit Yemanja

Weiße Nächte – Öffnung der Brücken

Aber halt, da will noch einer rüber! Auch wenn die Brücke schon ein wenig geöffnet ist, springen die letzten Wagemutigen über den Spalt.

Denn wer nicht rechtzeitig da ist, kann erst morgens früh heim!
Natürlich sperrt die Polizei die Brücke ab – für die Autos!

Wir gehen weiter, vorbei an der Eremitage, diesem weltberühmten und unbedingt sehenswerten Museum im Winterpalast. Es dauert eine Weile, bis du die ganze Pracht darin erfasst, aber dann wird dir der Mund vor Staunen nicht mehr zugehen!

Natürlich darf Tessa dort nicht hinein, es ist ja jetzt auch schon dunkel, also bleiben wir am Ufer: Stell dir vor, heute ist der Samstag nach dem 21. Juni: Heute feiert St. Petersburg das größte Schulabschlussfest des Landes, Alje Parussa – Purpursegel – nach einem Roman von Alexander Grin benannt. Das choreographierte Feuerwerk, das Spektakel, mit Lifemusik aus dem Marijinski Theater, Lasershow, Wasserballett, Schiffsprozession vor der Peter und Paul Festung sucht seinesgleichen und verdirbt dich für immer, was Feuerwerk angeht! Ich wette mit dir, du wirst nie mehr ein vergleichbares Spektakel life sehen!

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Alje Parussa – Riesenspektakel für die Schulabgänger (Abiturienten)

Ich aber verabschiede mich jetzt von dir und schleiche mich hinauf in mein Apartment. Die Sonne, deren Weg ich hinter der Peter und Paulfestung verfolgen kann, wird bald aufgehen und mich an der Nase kitzeln.  Du kannst noch weiter gehen, übers Marsfeld in den Sommergarten und dich dann in den kanalisierten Nebenflüssen des Mündungsdeltas der Newa verlieren: An der Fontanka und der Moika gibt es noch viel zu sehen! Vielleicht zeige ich es dir ein andermal!

Ein Spaziergang entlang der Newa | Segeln mit Yemanja

Bald geht die Sonne wieder auf

INFO

Links zu anderen Blogs über St. Petersburg
st-petersburg-in-3-tagen
spbaufdeutsch.com

Danke, Sabine von Ferngeweht, mit der grandiosen Idee zur Stadt-Land-Fluss Blogparade hast du mich gleich dreifach inspiriert:

  • Ich las davon vor einer unangenehmen Segelstrecke und spielte daraufhin in Gedanken dieses Spiel, einfach um mich selbst bei Wind und Welle bei Laune zu halten.
  • Die vielen Beiträge feuerten mein Heim- und mein Fernweh an und erinnerten daran, wie schön die Welt doch ist!
  • Vor Allem aber weckte ich mit meinem eigenen Beitrag viele Erinnerungen an ein außergewöhnliches Leben in einer herausfordernden Stadt. Oder war mein Leben dort herausfordernd und die Stadt außergewöhnlich?

Schnee von gestern, oder auch Humus, der mein Leben jetzt nährt!

Hier geht es zu den Beiträgen, die mein Fern-Heim-Weh triggern:

Donau von family4travel
Dänemark von genussbummler
Elbe von punktkommatext
Ganges von Traveling the world
Kroatien von Delightful spots
Lissabon von 1thingtodo
Olifants River von Zypresse unterwegs
Rumänien von Faszination Europa
Rhein von entdeckergreise
Xian von bambooblog
Yazd von  in extenso
Zambezi von parkvogel

PS: Ich habe von 2004 bis 2009 in St. Peterburg gewohnt, von damals sind auch die Fotos und die Informationen. Es kann sein, dass sich das eine oder andere geändert hat, zum Beispiel weiß ich nicht, ob es den Brunnen noch gibt oder wie das mit der Brückenöffnung heute gehandhabt wird.

9. Juni 2016
von Steffi
10 Kommentare

Heimkommen: Ich freu mich auf Reichtum, den Daheimgebliebene gar nicht merken

In ein paar Tagen fliegen wir wieder nach Hause, zumindest war das so, als ich den Artikel vorbereitet habe. Mittlerweile sind wir gut angekommen und genießen bereits all das, was unten steht.

Nach 121 Tagen in Südamerika freu ich mich auf einiges, was für viele Daheimgebliebenen so alltäglich ist, dass sie vielleicht vergessen haben: All das ist nicht selbstverständlich und durchaus etwas, wofür ich sehr, sehr dankbar bin!

Also ich freu mich auf

Wasser
Zum Wasserhahn gehen, aufdrehen und es kommt

  • A kaltes Wasser, das ich unverzüglich ohne weitere Behandlung trinken kann und
  • B noch besser: SOFORT heißes Wasser, mit dem ich duschen kann, ohne zwischen den Tropfen hin und her zu tanzen oder einen elektrischen Schlag zu befürchten –

Ist für mich der ultimative Luxus überhaupt.
Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie ich mich auf eine anständige Dusche und einen Abend in meiner Badewanne freue!

Lange Sommerabende und gepflegtes Grillen
Nahe der Tropen zu leben heißt: Die Sonne scheint 12 Stunden, mit Dämmerung ist es knappe 13 Stunden hell. Wenn um fünf Uhr die Sonne aufgeht, geht sie auch um fünf Uhr unter. Um sechs Uhr abends ist es stockdunkel. Um acht Uhr sagt mein an europäische Sommer gewöhnter Körper: Hei, Steffi, es ist warm und seit zwei Stunden dunkel – es muss Mitternacht sein, du bist totmüüüüüüüüüüüüde. Gähn, blink… blink……chrr
Ah, so eine laue Sommernacht in meinem Garten ist ein Segen! Sogar, wenn es etwas kühler wird!

Ein Sommerabend im Garten - Photo von Patrick Houquet

Ein Sommerabend im Garten – Photo von Patrick Houquet

Kühle
Oh ja, Kühle! Nachts nicht im eigenen Schweiß zu baden, tagsüber keinen sprudelnden Wasserfall im Gesicht zu haben – welch eine tolle Aussicht! Hier in Jacare ist es zwar etwas kühler und vor allem etwas weniger feucht als in Salvador, aber viel nutzen tut das nicht. Ich bin mir zwar sicher, dass ich die deutsche Sommerkälte noch verfluchen werde, aber erst mal freu ich mich drauf!

Juni 2015 in Mechelen

Juni 2015 in Mechelen

Sauberkeit
Ähm, Sauberkeit? Ja! Nicht, dass wir in daheim nicht auch noch lernen müssten, unseren Müll nicht einfach fallen zu lassen oder fremden Müll aufzuheben – im Vergleich zu Südamerika ist es in Deutschland und Österreich einfach sauber! Ich bin zwar eine Meisterin darin, meine Wahrnehmung so zu steuern, dass ich mich am Duft der Rosen erfreuen kann, ohne von den Dornen gestochen zu werden, aber hier ist das fast unmöglich: Plastikmüll aller Art ist überall. Hinzu kommt: In meinen beiden Heimatländern sind die öffentlichen Anlagen meist gepflegt. Zwar besteht da ein gravierender Unterschied zwischen Pullem und Tribus, doch sind Gschtetten eher die Ausnahme – hier die Regel. Obwohl… hmm… da gibt es auch daheim einige Ecken. Also betrachtet diesen Punkt als gestrichen!

Wieckse Witte - my favorite Dutch beer

Wieckse Witte in Vlissingen, Juli 2013

Alkoholfreies Bier und Wieckse Witte
Wer dieses Blog aufmerksam liest, weiß – ich trinke gerne Bier. Blöderweise bin ich spätestens nach der zweiten Dose nicht mehr ganz Herrscherin meiner Sinne und außerdem setzen sich die Kalorien darin ziemlich hartnäckig an meinen Hüften fest. Also freue ich mich auf mein bitteres Fun-Bier, mit nur 18 Kalorien pro Glas, von dem ich trinken kann, bis ich Läuse im Bauch habe, aber immer noch einen freien Kopf.
Außerdem werden wir nach Holland fahren, wohin auch immer, Hauptsache es gibt Wieckse Witte! Das ist nämlich mein Lieblingsbier! Hat es allerdings auch in sich…

Flanieren
Entspannt spazieren gehen, ein wenig Schaufenstergucken, irgendwo einen Kaffee oder ein Kölsch trinken, draußen sitzen… In Salvador fährt man zu Strand oder in ein eisgekühltes Resturant, in Jacare gibt es noch weniger Auswahl.

Meine Nähmaschine
Wenn dieses Abenteuer hier zu Ende ist, möchte ich ein Jahr lang nur nähen! All die Ideen umsetzen, die in meinem Kopf herum schwirren. Die Stoffsammlung reduzieren. UFOs – UnFertige Objekte – fertig stellen…
Zwei, drei Projekte werde ich wohl im Sommer schaffen.

Meinen Garten
Meine Oase, meine Kraftquelle!
Ehrlich jetzt? Vorm Unkrautjäten graut mir etwas, hab ich doch einen Feldahorn im Garten der bestimmt gefühlte 4000 Sämlinge verstreut hat…
Aber dennoch freu ich mich auf die Blütenpracht! Denn auch hier gilt – letztendlich gibt es nur sehr wenige Gegenden auf der Welt, die so gute klimatische Bedingungen für traumhafte Gärten bieten, wie Mitteleuropa. Und noch weniger Menschen, die darauf Wert legen.

Sieht ja bunt aus - nur sollten da Erdbeeren wachsen - Juni 2015

Sieht ja bunt aus – nur sollten da Erdbeeren wachsen – Juni 2015

Freunde und Nachbarn
Da gibt es nichts hinzuzufügen: Leitln, Lück, ich freu mich auf euch!

Erdbeeren mit Schlag
Tropische Früchte hin, tropische Früchte her: Keine kommt an Erdbeeren mit Sahne heran! Wobei die Erdbeeren am besten frisch aus meinem Garten oder vom Erdbeerfeld sind. Außerhalb der Saison oder von weit her, kannst‘ sie vergessen!
Außerdem freu ich mich auf reife Marillen, nicht vom Baum, sondern vom Unter-dem-Baum – mit denen kommen nicht mal Erdbeeren ohne Sahne mit, auch keine Maracuja, mein tropisches Lieblingsobst.

Gemüsevielfalt in guter Qualität
Nun könnte der Brasilienunerfahrene Leser denken: In Brasilien muss es doch nur so von Obst und Gemüse wimmeln. Nun ja, aber eben auch von Würmern und Fäulnisbakterien…
Die Tomaten, die hier im Supermarkt verkauft werden, würden es bei uns nicht mal bis in den Supermarkt schaffen. Nun könntest du noch einwenden: Leckere Tomaten müssen sind makellos sein. Stimmt. Nur sind sie nicht mal lecker! Sondern entweder grün oder faul (stink) oder mehlig und pelzig. Auberginen ohne Würmer gibt es nicht, die Zucchini haben Keulengröße, Salat ist welk, ebenso Kraut. Karotten, ja Karotten sind okay, Rote Beete, Kartoffeln, Zwiebel gehen, Chuchu auch, Gurken sind gummiartig. Paprika sind noch am besten! Dann gibt es noch Maniok, Inhame und Süßkartoffeln und das war es dann.
In Salvador waren Frische und Angebot (es gibt dort mehr tropische Gemüse) noch ganz gut, aber hier in Jacare lässt beides schon sehr zu wünschen übrig!
Also freu ich mich auf Spargel, Karfiol, Brokkoli, Tomatenvielfalt, Sellerie, Spinat, Fenchel, Pilze, Radieschen und Rettiche, Salat, Radiccio und und und …
Uns geht es da ganz schön gut, in Deutschland und Österreich!

Meine Waschmaschine
Gut, hier wäscht jemand meine Wäsche. Alles zusammen, kalt und mit jeder Menge Waschmittel. Waschmaschinen, die mit heißem Wasser waschen, Wäsche auch noch nach Farben oder Fasern trennen ist im Rest der Welt relativ unbekannt. Unsere Klamotten werden also immer farbloser, ohne nach deutschen Maßstäben sauber zu sein…

Funktionierender öffentlicher Nahverkehr, gute Straßen
Ich weiß, die Deutsche Bahn und ich, wir kommen nur ungern zusammen. Dennoch ist auf sie Verlass. Sie hat öfter mal Verspätung, aber immerhin gibt es Fahrpläne, an die sie sich zu halten bemüht. Punkt. Und die Busse auch. In Salvador weiß kein Mensch, welcher Bus von wo wohin und wann fährt. Es soll allerdings einen Plan geben…
Auch die Straßen daheim… Da schwebst du quasi drüber anstatt zu hoppeln!

Und es funtkioniert doch!

Und es funtkioniert doch!

Ärzte, die mich verstehen
Nicht, dass wir einen gebraucht hätten! Doch ist es unterwegs im Bedarfsfall gar nicht so einfach, ärztliche Versorgung zu finden, die auch nur annähernd so gut ist, wie die in Deutschland oder Österreich. Ja, da gäbe es einiges zu verbessern, und doch kommt weltweit kaum etwas auch nur in die Nähe – nicht mal, wenn du die Behandlung bezahlen kannst. Abgesehen davon – wie willst du einen Arzt, dessen Sprache du nicht sprichst und der kein Englisch kann, deine Sorgen und Symptome schildern? Zahnarzt, Augenarzt, Hautarzt – freuen ist vielleicht das falsche Wort, aber ich bin froh, euch bald zu sehen!

Europa
Wenn ich das alles durchlese, dann stelle ich fest: Ich freue mich auf Europa! Schon vor 15 Jahren in Salvador fiel mir auf, dass ich mich immer mehr als Europäerin fühlte, sehr viel weniger als Österreicherin oder Deutsche. Es ist unser Kulturraum, der mir fehlt: Ordnung, Sauberkeit, soziale Verantwortung, Organisation, Kunst, Kultur, laue Sommerabende, Heuriger, Biergärten, Schlösser, Felder und Burgen…

Europa auf einen Blick: Der Kölner Dom

Europa auf einen Blick: Der Kölner Dom

Und jetzt:
Ein Ratespiel – Welche Vorfreude bringt mein Herz so richtig zum Singen?
Na?
Trommelwirbel:

Meine Engel!
Meine Töchter, Schwiegersöhne, meine Enkel, mein Hundchen und meine Familie in Österreich! Und auch dem ist nichts hinzuzufügen!

 

Auf die Idee zu diesem Artikel brachte mich Anna von annasnotizblog. Worauf freust du dich, wenn du nach langer Reise nach Hause kommst? Erzähle uns davon, auf deinem Blog oder hier in einem Kommentar.

Auch Sabine von geckofootsteps.de kommt gerne nach Hause – nur nicht für allzulange!

Dagmar Aaen

5. Juni 2016
von Steffi
Keine Kommentare

5 Segel-Abenteurer, die du in Jacare treffen kannst

Das Schönste an unserem Lebensstil sind die Menschen, die wir unterwegs treffen.
Das Traurigste sind die unweigerlichen Abschiede von ihnen, auch wenn wir immer von einem Wiedersehen ausgehen.

Anfangs fiel es mir sehr schwer, mich auf Jacare und die Seglergemeinde hier einzulassen: Die Marina liegt am Ende der Welt, die Segler hier leben in einer Yachtie-Blase – nichts von beiden hat mit meinem geliebten Brasilien zu tun! Und auch nicht viel von meiner Vorstellung von einem Abenteuer. Mein Abenteuer ist nicht deines, ich weiß…

Doch Abenteurer, echte und solche, die es werden wollen, treffen wir hier genug!

Franzosen

Die kennen nichts – die fahren überall hin. Es ist ihnen völlig egal, ob ihr Schiff einem segelnden Flohmarkt ähnelt, ob es Seekarten gibt, ob jemand ihre Sprache spricht, auch kümmern sie sich nicht um Nationalitäten- oder Gastlandflaggen – sie segeln überall hin, wo das Wasser tief genug sein könnte. Leider ist es schwierig, sich mit ihnen zu unterhalten, denn außer Französisch können die nichts. Dabei bin ich sicher, sie hätten jede Menge Tipps!

Die von Seint Hiliena kommen

Dachte ja immer, die Insel hieße St. Helena, also Seint Helena, so wie die Helen mit einem A am Schluss, aber Muttersprachler sprechen das anders. Jedenfalls, wer über St. Helena kommt, hat schon ein ganzes Stück der Weltmeere gesehen:

MINNIE B war jahrelang unterwegs, unter anderem über New York hinauf bis Kanada. Jetzt sind sie auf dem Weg in die Karibik, um mal langsam zu machen.

Michael war sechs Jahre Einhand unterwegs, auch er ist auf dem Weg über die Karibik nach Hause. Im Juli 2017, so hat er seiner Frau versprochen, ist er wieder daheim.

Die Crew der INISH kommt aus Hoorn, auch sie waren jahrelang unterwegs. Sie mussten lang ein Südafrika pausieren, weil ihr Mast kurz nach Simonstown brach. Im Moment sind sie in Europa, im Herbst wollen sie in die Karibik – und dann wieder in die geliebte Irische See. Die beiden sehen wir also vielleicht wieder.

Meistens wollen übrigens die Frauen endlich nach Hause zu ihren Enkelkindern.

Die Unangenehmen und die Unscheinbaren

An einen der Grill-Abende traf ich auf einen Segler, dessen Horizont sich nicht erweitert: Die Menschen sind Bestien, bumsen die Erde zu Tode, die Überbevölkerung ist die Ursache allen Übels, oder waren es doch die faulen Afrikaner und Araber? Genug Geld zum Leben soll nur der haben, der auch in seine Ausbildung investiert hat und wenn es für ihn keine Arbeit gibt – selber Schuld. Gelebt und gearbeitet habe er schon überall auf der Welt und überall ist es das Gleiche – ich solle ihm doch glauben. Ich glaube ja! Nämlich dass er am liebsten die Hälfte der Erdbevölkerung verrecken lassen würde. Als ich andeutete, dass in Europa Tonnen von Lebensmittel, vernichtet werden, bevor sie überhaupt den Verbraucher erreichen, glaubte er mir nicht…

Es gibt mehr von seiner Sorte, normalerweise treffe ich nicht auf sie – hie und da zwickt das Krokodil doch noch, ich fühle mich hier immer noch nicht rundum wohl und dann kann so etwas schon mal passieren.

Andere wieder, so wie unseren Nachbarn, merken wir gar nicht: Morgens trainiert er im Fitnessraum und den Rest des Tages repariert er sein Schiff. Es ist übrigens ein Russe und spricht nur wenig Englisch.

Edward, der ein Schiff nach Europa überführen soll, freut sich hingegen immer, wenn er mit uns ein paar Worte Deutsch sprechen kann. Er kommt aus Uruguay, hat aber auch österreichische und holländische Vorfahren, unter anderem natürlich.

Familien mit (kleinen) Kindern

In den ersten Wochen hier war Jacare ein Kinderparadies:

Die beiden Cousins Gabriel und Gabriela wachsen hier auf. Sie entern gerne mal die Schiffe und rauben sie aus…
Sie haben Hausrecht – und ein Pool, in dem sich alle Kinder tummeln.

Die Piraten

Vor diesen beiden Piraten ist keine Beute sicher!

Fast alle: Tiara ist zu klein, sie ist erst drei Monate alt. Dafür turnt ihre große Schwester wie ein Affe in der Takelage ihres Schiffes herum, ebenso der Bruder. Ihre Eltern kommen aus Mexiko, haben deutsche, französische und slawische Wurzeln und sind schon jahrelang unterwegs. Sie sind sehr entspannt. Ihr Schiff, RUSALKA OF THE SEAS, lag zehn Monate hier. Vor ein paar Tagen legten sie ab, Richtung Heimat. Und das sah so aus:
Der Vater am Ruder, die Mutter vorne um die Festmacher einzuholen. Uma, vielleicht sechs oder sieben Jahre alt, am Mastfuß zwischen Dinghi und einer festgezurrten Kiste sitzend, hielt das Baby fest, Palli, noch keine fünf Jahre alt, holte die Spring ein: Konzentriert zog er das bestimmt vier Zentimeter dicke Tau nach und nach an Bord.

Abschied von der Rusalka of the Seas

Abschied von der Rusalka of the Seas

Auch die EVITA mit drei Kindern an Bord, das älteste vielleicht dreizehn, legte vor ein paar Tagen Richtung Azoren und in weiterer Folge Spanien (Mutter) oder England (Vater) ab. Nach drei Jahren auf See sollen die Kinder wieder in eine richtige Schule gehen, mit anderen Kindern und so. Übrigens auch eine sehr entspannte Crew! Ihr Blog ist auf Englisch, wird aber auch von den Kindern geschrieben, ist also vielleicht für Familien interessant.

Noch nicht so gut loslassen können die Eltern von Sophie und Erik, sie trauen ihren Kindern noch nicht so viel zu, haben noch nicht genug Vertrauen in das Leben. Gerade deshalb macht es Spaß zu sehen, wie der knapp vierjährige Junge, der anfangs die Hand der Mutter nicht los lies, immer selbstsicherer über den Steg läuft. Die Crew der MANGO wird von hier aus am Landweg Brasilien erkunden und in etwas sechs Wochen Richtung Karibik aufbrechen.
Ob wir die Familien wiedersehen werden? Es wäre schön!

Polarforscher

An einem dieser Tage hier, als Wolkenbruch auf Wolkenbruch folgte, nutzt Tomy einen kurzen trockenen Moment um etwas Brötchenähnliches fürs Frühstück zu holen. Das wird nämlich hier nachmittags gebacken. Ein altes, großes Holzschiff hätte angelegt, ein deutsches.

„Welcher Verrückte fährt mit einem alten Holzboot über die Meere!“, schießt es mir durch den Kopf.
Der Verrückte stellt sich abends bei dem schon erwähnten Grill-Event vor, Arved hieße er…

Nun, so viele deutsche Arveds mit altem Schiff gibt es ja nicht auf der Welt – da hatte also tatsächlich ein Pionier der Polarforschung, ein echter Abenteurer, ein harter Hund, eben ein Ver-Rückter an unserm Steg festgemacht!

Jacare-0949

Polarforscher und Warmduscher

Und er ist dabei so etwas von erfrischend normal!

Am nächsten Tag scheint die Sonne und wir können die DAGMAR AAEN, einen alten dänischen Haifischkutter, der für den extremen Einsatz in kalten und stürmischen Gewässern umgebaut wurde, besichtigen.

Ganz schön beeindruckend!

Drei Eingänge in den Bauch des Schiffes gibt es, in alle drei führen steile Treppen. Vorne, dort wo früher die Fischer schliefen, sind immer noch vier Kojen, besser Wandschränke mit Türen. Beim Gedanken daran, darin schlafen zu müssen, bekomme ich akute Atemnot…
Der Ofen, der in dem Raum steht, hält ihn zwar sicher muckelig warm, verstärkt aber mein Gefühl der Enge…

In der Mitte, dort wo früher die Fische gelagert wurden, sind weitere Einbauschlafschränke, der Aufenthaltsraum und die Kombüse.

Hinten ist die Navi-Ecke, ausgestattet mit modernster Elektronik und einigen Bildschirmen. Dahinter ist der Motorraum mit Wassermacher, zwei Generatoren, dem Motor und den Tanks.
In diese Tanks passen über 4000 l Diesel.

2000 müssen getankt werden – in Jacare, wo es keine Tankstelle gibt. Nur einen Lieferservice.
Der stellt 100 Kanister an den Steg.

Die Crew ist nicht amüsiert: 100 Kanister wollen erst mal zum Schiff geschleppt werden! Und müssen dann einzeln in die Tanks gefüllt werden.

Und siehe da, da kann die kleine, wärmeliebende und vergleichsweise gar nicht mutige YEMANJA der großen DAGMAR helfen:

Tomy hat nämlich eine Onanier-Pumpe. Richtig gelesen. Die daran angeschlossenen Schläuche werden in den Tank und den Kanister gesteckt. Dann wird die Pumpe durch die entsprechende Handbewegung angeworfen: Sobald der Diesel rinnt, läuft er von alleine in den Tank, nur der letzte Rest muss per Hand und Trichter umgefüllt werden.

Damit ist die Crew ein paar Stunden schneller, einen ganzen Tag braucht sie trotzdem, bis die Tanks der Dagmar Aaen wieder gefüllt sind.

Und dann legt sie auch ab, zu den Azoren, nach Brest und zurück nach Deutschland. Ein Wiedersehen is fraglich – oder vielleicht bei einem Von Arved Fuchs’ Vorträgen?

Dagmar Aaen und Yemanja - Polarforscher und Warmduscher an einem Steg

Dagmar Aaen und Yemanja

 

Und dann sind da noch solche wie wir – in welche Abenteurer-Schublade würden uns wohl andere Segler stecken? Rentner auf  Tour?