Ilha dos Lencois

3. November 2016
von Steffi
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Ilha dos Lencois – ein Juwel am Rande der Welt

Smaragd, Rubin, Lencois – Lençoís  geschrieben, gesprochen Lenßois – klingt dieses Wort nicht wie ein wertvoller Stein, wie ein Kleinod? Dabei bedeutet es Laken, Betttücher oder Leinen. Aber ist ein wärmendes Tuch in einer kalten Winternacht nicht wertvoller als jeder Diamant? Oder in der gleißenden Sonne der Tropen, ist da ein kühlendes, Schatten spendendes Tuch nicht ein wahrer Schatz?

Lencois – wie ein achtlos hingeworfenes Leintuch faltet sich der Sand der Wanderdüne hinter dem Dorf Cururupu auf. Langsam aber sicher frisst er sich in den Kanal, der den Ort mit dem Meer verbindet. Ein Dorf, aus einer anderen Welt, oder einer Welt dazwischen – ohne Handys, ohne Internet, jedes Fahrzeug, selbst Schubkarren würden hier im Sand versinken – wohl aber mit Satellitenschüsseln vor den mit Blech oder Eternit gedeckten Hütten. Weiterlesen →

2. November 2016
von Steffi
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Brasilien zu verlassen ist schwer

3. Oktober 2016

Brasilien zu verlassen ist gar nicht so einfach. Nicht nur, weil ich dieses Land liebe und mir mittlerweile auch die Menschen in Jacare ziemlich ans Herz gewachsen sind: das Paar, dem die Caipirinabar gehört; Nicolas, der köstliche Steak brät und mit mir Gemüse für unterwegs einmacht, sein hinreißender kleiner Sohn, um den er sich so liebevoll wie er es nur kann kümmert und der doch einfach noch jemand zum Kuscheln braucht; Ardillo und Tiago zwei der Marineiros, die wirklich mehr als nur schwer in Ordnung sind; Bela, die wäscht und putzt, auch so gut sie es eben kann, und die sich um ihr Enkelkind kümmern muss…

Ich werde sie alle vermissen!

Doch nein, verlassen ist schwer, weil Weiterlesen →

20. Oktober 2016
von Steffi
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Wie wir mit dem Dinghi in Seenot geraten und jetzt vorm Amazonas sind

Die Geschichte vom Dinghi muss ich noch erzaehlen, bevor es unten weiter zum Amazonas geht.

Um halb zwei, etwa bei halber einlaufender Flut, rudern wir an Land. Mit dem Motor fahren macht nicht viel Sinn, erstens weil es verdammt flach ist, zweitens weil der Motor das Teil ziemlich schwer macht und wir es weit den Strand hinaufschleppen muessen und drittens weil der Aunborder gerade sauber ist und wir dem brasilianischen Benzin nicht trauen.

Wir wollen in der Pousada zu Mittag essen. Aurdem wollen unsere Toechter um zwei Uhr dort anrufen. Ersteres klappt nicht, heute hat Renata, die junge Wirtin weder Gaeste noch Fisch, aber wir bestellen f morgen. Dann sollte auch die GALATEA da sein, vielleicht auch schon die PAPILLON II. Telefonieren funktioniert aber wunderbar.

Wie schoen es doch ist, die Stimmen meiner beiden liebsten Zwillinge zu hoeren! Ich hoere ihnen doch so gerne zu!

Und da biegt auch schon die GALATEA um die Ecke!

Wir gehen rueber in die kleine Bar, denn in der Pousada gibt es auch nichts zu trinken. Dort schauen wir Ernst und Anna Maria beim Ankern zu, kaufen einem hinreinden kleinen Mchen ein Eis ab und lutschen es zu unserem Nachmittagsbier. Schlieich, immer noch bei einlaufender Flut, machen wir uns auf zum Dinghi.

Ebb- und Flutstrom sind hier verdammt stark. Deshalb ziehen wir das Dinghi noch ein wenig den Strand entlang, um nicht so sehr gegen den Strom rudern zu muessen.

Nur leider nicht weit genug.

So sehr Tomy sich anstrengt, jeder nicht korrekt ausgefuehrte Schlag treibt uns wieder von YEMANJA weg. Eine Weile schafft er vier nach vorne, drei zurueck, aber irgendwann ist klar: Das errudert er nicht! Unser Schiff, so fest und sicher es vor Anker liegt, faehrt uns davon – so scheint es wenigstens.

Aber halt! Hinter uns liegt ja die GALATEA! Sie fischt uns einfach aus der Bucht!

Waehrend wir so dasitzen, ueber unsere Fahrt hierher schwadronieren, darueber spekulieren ob die etwas langsamere PAPILLON II wohl morgen ankommt und darauf warten, dass der Strom kippt und wir zurueck koennen – da biegt doch Walter um die Ecke!

Er geht laengseits zur GALATEA, kommt auf ein Willkommens-Schweppes rueber und zieht uns dann zurueck zu unserem Schiff.

Und still und heimlich schmunzle ich vor mich hin, denn ich bin mir ganz sicher: Die Bilder, die ihr jetzt nach meiner Erzlung von einer Pousada, einer Bar und einem kleinen Mchen, das Eis verkauft vor eurem geistigen Auge habt, haben mit der Wirklichkeit nicht viel gemein. Nicht mal dann, wenn ihr Brasilien recht gut kennt

Mittlerweile liegt unser Dinghi wieder gut verpackt unter Deck und wir tuempeln mit dem Schiff vor der Amazonasmuendung herum.

Der Abschied von Lencois fiel mir wieder mal nicht leicht: Der Ort fasziniert mich, ich haette gerne mehr ueber ihn und das Leben der Menschen dort erfahren, aber uns fehlen die Tage, die wir auf die Want gewartet haben. Du aber, freu dich schon mal auf den ausfuehrlichen Bericht und die Fotos von diesem schoenen und beeindruckenden Ort.

Jedenfalls verlassen wir und Walter mit der PAPILLON II am Dienstag kurz vor Slack, also dem Stillstand zwischen einlaufendem und auslaufendem Wasser, den Ankerplatz. GALATEA will noch ein paar Tage bleiben und die Winschen warten. Walter zieht es nach Surinam wo er vielleicht seinen Sohn trifft. Aber erst mal ist unser beider Schiffe Ziel die Illes de Salut, jene beruechtigten Gefaengnisinseln in Franzoesisch Guyana. Dort wollen wir einander wieder treffen und dann gemeinsam im Maroni-Fluss auf die GALATEA warten.

Aber erst mal muessen wir aus der Bucht von Lencois rauskreuzen, denn darauf steht der Wind. Nach vier Stunden koennen wir endlich Kurs auf die Illes de Salut nehmen. Der Wind pendelt sich anfangs um die 15 Knoten ein, wir kommen gut und sanft voran: Das Meer ist recht ruhig, was meinem Magen gut tut. Auch Tomy wird diesmal nicht seekrank. Das kann auch daran liegen, dass es am Ankerplatz genug schaukelte!
Am zweiten Tag verlaesst uns dann der Wind wieder f ein paar Stunden, und die rund 7 Knoten die er hat drehen sich auch noch im Kreis: Sie kommen zwar meist aus 100 bis 140 Grad, aber auch schon mal aus 77 oder 233! Mit rund 2 Knoten pro Stunde kommen wir voran und ich rechne mir schon aus, ob wir genug Wasser an Bord f weitere 10 Tage segeln haben!

Wir muessen ja wieder durch die Kalmen, also ueber den Aequator nach Norden, und da ist bekanntlich wenig und unberechenbarer Wind.

Vom beruehmten Brasilstrom merken wir auch nichts. Der sieht zwar auf Windity sehr eindrucksvoll aus, nur scheint er gerade ebenfalls ein wenig herumzuspielen. Das Wasserproblem stellt sich trotzdem nicht, weil der Wind nach drei oder vier Stunden wieder etwas anzieht – und wir ausserdem saemtliche Backskisten mit Flaschen vollgestopft haben.

Nachts habe ich wieder so eine Phase: Zwanzig Minuten kein Wind, die Segel schlagen, das Rigg zittert – ich hasse es.
Und dann ganz ploetzlich zieht der Wind an, geht auf 15 Knoten und bleibt f den Rest meiner Wache so. Erst denke ich an einen Squall, aber ueber mir strahlen Millionen Sterne, es ist keine Wolke zu sehen. Spaeter kommt der Mond, erst als tieforanger Ball, dann wird er zur hellen Laterne.
Auch heute ist tagsueber wenig Wind, zwischen 7 und 10 Knoten. Wir machen heute mehr Fahrt als gestern, bei sehr ruhigem Meer, immerhin fast vier Knoten – ob wir doch noch den Strom gefunden haben? Auch der Gezeitenstrom schiebt und zerrt an uns, hier 150 Meilen vor der Kueste, oder genauer der Muendung des Amazonas. Es ist nur rund 60 Meter tief hier, so sind auch viele Fischerboote hier draun.

Und jetzt schaun mer mal, ob ich Funkverbindung bekomme, bevor ich mich an die Zubereitung des Abendessens mache. Der Vorteil von wenig Wind ist eine ruhige Fahrt – so kommen wir doch noch ans Schlemmen und Geniessen der kleinen Leckereien! Schwarzwurzelsalat gibt es heute, den liebt Tomy.

17. Oktober 2016
von Steffi
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Am Ziel und doch weit weg

Schwimmwesten und Lifelines werden komplett ueberbewertet. Das sag ich jetzt nur, um die Seglergruppe auf Facebook ein wenig aufzumischen, aber nicht ohne Grund. Und nicht ohne hinzu zu fuegen: Wir tragen sie ausser bei extrem ruhigen Bedingungen immer, sind auch immer eingepickt. Denn auf diesem Schiff gibt es nur ein Gesetz: Alle Menschen bleiben an Bord.

Wie ich darauf komme? Gemach, gemach

(Verwendet ausser einem Buechernerd noch jemand dieses Wort?)

In dem Moment, in dem die Nacht am kaeltesten ist, der Moment, an dem ich hier in kurz vorm Aequator und unter Deck nach meiner Bettdecke greife, weckt mich Tomy. Wir sind kurz vor der Einfahrt in die Bucht von Lencois und muessen noch mal das Segel auf die andere Seite legen, dann haben wir freie Fahrt. Tomy kuppelt Sissi aus, holt das Ruderpendel auf, dankt ihr und laesst sie endlich ausruhen. Die restlichen Meilen will er selbst steuern.

Die steife Brise weht immer noch mit ueber 20 Knoten, geht auch schon mal auf 28 rauf, die Welle ist etwas ruhiger, nur mehr einen guten Meter, daf unruhig und kurz. Und da kommen uns die ersten Fischer entgegen. Weit muessen wir um ihr Netz herumfahren, nur wenige Meter trennen uns noch von der Brandung. Die Fischer winken freundlich und wenden sich wieder dem Einholen des Netzes zu.

Frei stehend, auf einer Nussschale, nicht viel groesser als unsere, ohne Schwimmweste, ohne Sicherung. All das wuerde sie nur bei der Arbeit behindern.

Sie haben wohl ein Gespuer fuer das Meer

Eines, das normal segelnde Menschen aus der Zivilisation nie bekommen werden, vielleicht auch gar nicht begreifen koennen. Ein Sinn f Wind, Welle und Wasser.

Wir streben dem ausgewiesenen Ankerplatz vor dem Leuchtturm zu, denn es ist zu frueh, um in den Kanal einzufahren – das ist erst ab halber einlaufender Tide moeglich. Wir muessen also weitere drei Stunden ueberbruecken.

Wer auf die Idee kam, diesen Platz als Ankerplatz auszuweisen, weiss ich nicht. Wir wissen nur: Auf 20 m Tiefe, bei 25 Knoten Wind und darauf stehender Welle von einem Meter, wollen wir da nicht liegen. Wir beschliessen, einfach davor auf und ab zu kreuzen und fahren recht tief in die dann doch ruhiger werdende Bucht ein.

Dabei hat uns einfach der Segel-Verstand verlassen. Denn wer vor dem Wind rein faehrt, muss zurueck kreuzen

Aber vielleicht war das auch Tomys Absicht. Denn jetzt ist er in seinem Element. Obwohl er schon seit vier Stunden hinterm Steuer steht, dreht er auf: Segeln heisst f ihn, hart an der Kante, schoen schraeg, gegenan zu brettern.

Ich hasse es.
Ich bin keine Seglerin. Und aus mir wird auch keine werden.

Nach einigen Haken sind wir doch puenktlich um 11 Uhr an der Einfahrt. Tomy uebergibt mir das Steuer und springt nach vorne ohne auf den Kurs oder den Plotter zu achten. Ich springe zum Plotter, um unser Schiff zu sehen – und kann gerade noch das Steuer vor der eingezeichneten erspuelten Sandbank herum reissen. Was folgt ist ein Anschiss von Tomy, ich solle gefaelligst Kurs halten

Nun gut, diese Sandbank habe ich umschifft, denke gerade, hier ist es doch eh tief, aber Moment, ich bin etwas weit rechts, lass mal lieber mehr in die Mitte

Der Tiefenmesser zeigt einen Meter, soviel sollten wir noch unterm Kiel haben. Nur leider stecken wir fest.
Mit Motor raus geht nicht, der schwitzt mal wieder und kreischt. Also wirft Tomy den Anker, das Wasser muesste ja noch mindestens einen Meter steigen.

In der naechsten halben Stunde tut sich gar nichts am Wasserstand. Aber der alte Schwede entspannt sich, holt uns rueckwaerts raus und bringt uns gut zum Ankerplatz vor dem Fischerdorf.

Mit uns kommt Comandante Roberth, ein Trimaran, beladen mit vollen Bierkaesten, Zementsaecken und allerlei anderen Notwendigkeiten und legt sich dahin, wo wir gerne liegen wollten. Na gut, dann eben weiter weg, obwohl wie angegeben, fuenf Meter Wassertiefe hat es hier nicht. Es sind 12, aber wir haben ja genug Kette. Und so liegen wir bald bombenfest, obwohl Tidenstrom und gut 20 Knoten Wind an Yemanja ziehen und zerren. Wir schlafen tief und gut in dieser Nacht.

Wir sind an einem Ort aus einer anderen Zeit, oder vielleicht zwischen den Zeiten, an einem verlorenen Ort in einer sich wandelnden Welt. Doch davon erzaehle ich dir, wenn ich wieder Internet habe und meine Worte mit Bildern illustrieren kann. Auch muss ich noch ein wenig recherchieren.

Dann wird auch dir klar, dass es sehr viel besser war, nicht beim Comandante zu ankern.

INFO: Genaueres zur Einfahrt und zum Ort folgt, wenn wir Internet haben. Also im nächsten Artikel