6. Tag Dokkum bis Weigea
Um zehn Uhr machen wir die Leinen los, wir wollen zurück. Eigentlich wollten wir ja bis Groningen, aber da müssen wir uns dann zurück hetzen, denn wir wollen am Geburtstag von Tomys Schwester Anette wieder zu Hause sein. Außerdem reißt uns die friesische Landschaft nicht gerade zu Begeisterungsstürmen hin. Sie ist genauso reizlos, wie ich es als Kind der Alpenrepublik immer von einem flachen Land ohne Berge erwartet habe. Es ist nicht langweilig, aber die südliche Route ist abwechslungsreicher. Aber jetzt:
Leinen los!
Nichts rührt sich.
Also der Motor schon, er heult, aber nicht Yemanja.
Die steckt im Schlick fest.
Ich drücke uns mit dem Enterhaken vom Anlegepoller weg.
Yemanja rührt sich nicht.
Ich bin zu schwach.
Ich übernehme das Ruder, Tomy den Enterhaken. Er drückt – wir sind frei!
Schön war es unter der Windmühle!
Mit einer Einhandseglerin und einer großen Motoryacht passieren wir (hintereinander natürlich) die Brücken in Dokkum. Kurz vor eins sind wir an der Eebrug vor Leeuwarden, zügig geht es hintereinander durch die Stadt. Am heutigen Montag sind viele Liegeplätze frei, aber wir wollen weiter und hinter Leeuwarden an einem der Marrekrite Anleger festmachen. An der Spoorbruck HKMK müssen wir allerdings über eine halbe Stunde auf die Öffnung warten. Die Einhandseglerin hatte uns kurz vorher Richtung Harlingen verlassen, dafür gesellt sich jetzt ein Einhandsegler zu uns. An der Kreuzung der Nieuwe Staande Mast Route mit dem Prinses Margrietkanal weiß er nicht weiter, wir zeigen ihm den Weg. Wieder wundern wir uns, dass wir Deutschen besser Bescheid wissen, als die Niederländer. Holländer wage ich hier ja nicht zu schreiben, ich will ja nicht die Friesen gegen mich aufbringen!
Die Anleger von Marrekrite gefallen uns nicht, wir fahren weiter. Am Anleger von Weigea ist aber noch ein Platz frei. Das Anlegemanöver gelingt uns perfekt. Wir übernachten diesmal am Weiher in der Wiese. Es duftet nach Landluft, die Vögel zwitschern, in der Ferne hört man die Autobahn.

Die Wiese in Weigea

An der Wiese in Weigea
Wir machen einen kleinen Rundgang durch den überraschend hübschen, wenn auch winzigen Ort. Am Kanal, der durch den Ort führt liegt auch ein kleiner Jachthafen, er ist allerdings für die Durchfahrt gesperrt, weil sie an den Brücken zu schmal ist. Staunend stehen wir vor einem Gourmetrestaurant, eine Haube hat es, aber heute, am Montag, hat es natürlich zu.

Weigea
Zurück am Schiff wundern wir uns, dass die anderen acht oder neun Schiffe immer noch menschenleer sind, darunter die große Motoryacht, die vor uns durch Leeuwarden gefahren ist. Meine Theorie dazu: Die wurden alle, kurz bevor wir kamen, von Aliens entführt!
Gegen acht Uhr kommt eine Dame vorbei, um die Liegeplatzgebühren zu kassieren. Für 6 Euro bekommen wir eine Tüte mit zwei Butterkeksen, eine Aufmerksamkeit von der Bäckerei, und jede Menge Broschüren mit Information über den Ort. Und so erfahren wir, dass sich in diesem Nest ein Rijksmonument, ein Reichsmonument, befindet:
Das 1920 für die Berufsschifffahrt errichtete
Urinal!
Wir sind daran vorbeigegangen, haben den grauen Klotz allerdings keine Bedeutung beigemessen.

Das Nationale Monument in Weigea ist ein Urinal
Überhaupt ist es hier sehr kurzweilig: Erst kommt eine Armada von SUP Fahrern vorbei, dann krault ein Schwimmer an uns vorbei (sieht aus, als wollte er heute noch nach Grou) und schließlich kommen die Aliens wieder.
Ach Quatsch, es sind ein schwarzer Heißluftballon und die Bewohner zweier Boote mit ihren Autos.
Die Sonne geht unter und – zack – ist es saukalt.
7. bis 9. Tag Weigea bis Katwoude
Von Weigea geht es über Grou und Akkrum weiter nach Sneek. Ursprünglich wollten wir hinter Akkrum noch eine Nacht an einem Marrekrite Anleger verbringen, doch einer ist belegt, der zweite wird renoviert. 

Bei Ijst
Also weiter nach Sneek, wo wir wieder im Gemeindehafen liegen. Tomy hilft nicht zum ersten Mal ein paar gecharterten Motorbooten beim Anlegen, das heißt natürlich deren Skipper. In den Niederlanden braucht man keinerlei nautische Kenntnisse, keinen Führerschein, um ein Schiff unter 15m, das nicht schneller als 20 kmh fahren kann zu chartern. Dementsprechend gilt der Spruch:
Gott schütze uns vor See und Wind und Schiffen, die gechartert sind!
Immerhin hat die „Crew“ es geschafft, ohne größeren Rums anzulegen. Jemand knotet das Schiff am Poller fest. Tomy weist sie darauf hin, dass die Leine immer am Schiff festgemacht wird – sonst muss ja immer jemand vom Schiff, um sie zu lösen und kommt unter Umständen nicht mehr drauf. Nun ja, wir wundern uns nur.
Von Sneek geht es am nächsten Tag flott durch die drei Sneeker Brücken und weiter nach Stavoren. Die Fahrt ist langweilig, auf den Seen haben wir wieder mal Gegenwind. Aber „unser“ Liegeplatz in der Marina Stavoren ist frei. Eine letzte Nacht noch in den Kanälen, dann geht es heimwärts.

Hinter Enkhuizen beschließen wir, uns die Marker Wadden, eine künstlich angelegte Insellandschaft im Marker Meer, anzusteuern. Als der Damm zwischen Enkhuizen und Lelystad quer durchs Ijsselmeer gebaut wurde, hat nämlich niemand daran gedacht, wie das die Fließverhältnisse beeinflussen würde: Da der von den Zuflüssen mitgebrachte Schlamm nicht mehr abfließen kann, stirbt die Unterwasserwelt und damit auch die Vögel. Mit den aufgeschütteten Inseln kamen die Vögel zurück. Ich wundere mich nur: Das löst doch nicht das Problem mit dem Schlamm?
Da in Deutschland Feiertag ist, ist der Hafen voll. Ankern will Tomy nicht, er will nach Hause. Nach drei weiteren Stunden, diesmal sogar mit der Fock als Unterstützung sind wir wieder zurück in Katwoude.
Schön war es! Das nächste Mal wird es aber wieder die südliche Route. Und die Marker Wadden? Da wollen wir noch in dieser Saison hin.
Ob uns das gelingen wird? So viel liegt diesen Sommer an!
(Da ich erst im Winter nach dem Törn poste: Es gelang uns nicht!)
Hier geht es zu den Tagen davor: Katwoude bis Sneek ; Sneek bis Dokkum






